OnePlus 8T im Test: 600 Euro sind hier gut angelegt

OnePlus hält am halbjährlichen Rhythmus fest und bringt mit dem OnePlus 8T eine Neuauflage des im Frühjahr vorgestellten OnePlus 8 auf den Markt. Eine Neuauflage des OnePlus 8 Pro als OnePlus 8T Pro gibt es diesmal nicht, das hatte das Unternehmen schon im Vorfeld der Ankündigung des Smartphones bestätigt.

Das OnePlus 8T bringt in puncto Hardware abgesehen von einer neuen Ladetechnik eher kleine Veränderungen mit, die zum einen das Design vor allem hinsichtlich der Kamera und den Akku mit etwas größerer Kapazität betreffen. Auch beim Display hat OnePlus nachgebessert und kalibriert es nun bereits ab Werk genauer. Vollständig neu ist hingegen das beschleunigte Aufladen mit Warp Charge 65 und damit bis zu 65 Watt.

Die größeren Veränderungen betreffen ebenso die Software, da das OnePlus 8T das erste Smartphone des Unternehmens ist, das direkt ab Werk mit OxygenOS 11 auf Basis des neuen Android 11 ausgeliefert wird. Seit kurzem steht das Update auch für OnePlus 8 und OnePlus 8 Pro zur Verfügung, bevor im Dezember OnePlus 7, OnePlus 7 Pro, OnePlus 7T und OnePlus 7T Pro an der Reihe sind. Ältere Geräte bis zurück zum OnePlus 6 will der Konzern im Anschluss mit Aktualisierungen versorgen.

Preis und Verfügbarkeit

Nach vielen Jahren der Preissteigerungen dreht OnePlus die entsprechende Stellschraube das erste Mal wieder in die entgegengesetzte Richtung. Kostete das Basismodell des OnePlus 8 im Frühjahr noch 699 Euro, ist das OnePlus 8T mit 599 Euro wieder beim Preis des OnePlus 7T angekommen. Wer mehr RAM oder Nutzerspeicher benötigt, kann zu einer teureren Variante mit 12 GB/256 GB für 699 Euro greifen.

Das OnePlus 8T kann seit der Vorstellung am 14. Oktober über die Website des Unternehmens vorbestellt werden und soll am 20. Oktober in den regulären Verkauf starten. Zur Auswahl stehen die Farben „Aquamarine Green“ (Testgerät) und „Lunar Silver“, wobei letztere matt ausgeführt ist und nur mit 8 GB/128 GB angeboten wird. Für „Aquamarine Green“ stehen hingegen beide Speicherkonfigurationen zur Auswahl.

OnePlus versetzt die Kamera

Die größte Veränderung am Design des OnePlus 8T ist die Neupositionierung des Kameramoduls mit insgesamt vier Linsen. Anstatt die Kameras zentral und untereinander zu positionieren, setzt OnePlus dieses Mal auf ein oben links platziertes Rechteck, das alle Sensoren und den Dual-LED-Blitz aufnimmt. Wie der Hersteller erklärt, schaffe diese Neupositionierung mehr Platz zentral im Gehäuse und ermögliche eine optimierte Konstruktion für Kühlung und Mobilfunkantennen. Ansprechend sieht das OnePlus 8T auch mit dieser Veränderung aus, wenngleich es an Symmetrie verliert und nun mehr dem Design manches Konkurrenz-Smartphones gleicht.

Für das OnePlus 8T spricht ganz abgesehen von dieser Veränderung wieder die durchweg hohe Qualität der Verarbeitung einzelner Bauteile. Tasten sitzen ak­ku­rat im Gehäuse, es gibt keinen Spielraum oder unansehnliche Spaltmaße, die negativ in Erscheinung treten. Auch im Bereich der unteren USB-Typ-C-Buchse oder des Lautsprechers punktet das Smartphone mit sauber ausgefrästen Aussparungen. Darüber hinaus integriert OnePlus mit dem „Alert Slider“ auf der rechten Seite wieder ein cleveres Detail, das einen schnellen Wechsel zwischen den verschiedenen Lautstärkemodi wie Klingelton, nur Vibration oder komplett stumm erlaubt.

IP68 hat nur das Flaggschiff

Nichts hat sich hingegen an der Front des Staub- und Wasserschutzes getan, da die IP68-Zertifizierung weiterhin ein exklusives Merkmal der Pro-Modelle bleibt. Zwar ist auch das OnePlus 8T erneut mit den dafür benötigten Abdichtungen ausgerüstet, die offizielle IP-Zertifizierung fehlt aber. Ein paar Wasserspritzer hier und da sowie der eine oder andere Regentropfen sollen dem Gerät aber keinen Schaden zuführen können.

Ebenfalls Pro-exklusiv, aber für manchen Anwender potenziell sogar Vor- statt Nachteil, ist das nicht zum Rand gebogene Display. Das OnePlus 8T kommt stattdessen wieder mit einem sogenannten 2,5D-Glas, also einem Bildschirm, der wie ein zu volles Wasserglas überzulaufen scheint. Eine echte Krümmung zum Rand hin gibt es aber nicht, Wischgesten in Android können so dennoch einfacher durchgeführt werden.

OLED-Display mit 120 statt 90 Hz

Das AMOLED-Panel hat mit 6,55 Zoll dieselben Abmessungen wie die letzten Jahre, kommt erneut mit 1.080 × 2.400 Pixeln und bietet auch wieder eine erhöhte Bildwiederholfrequenz – nun aber mit 120 statt 90 Hz, die sich auf Wunsch auf 60 Hz reduzieren lassen, um je nach App etwas längere Akkulaufzeiten zu realisieren. Notwendig, um mit dem Smartphone einen vollen Tag zu meistern, ist dieses 60-Hz-Downgrade aber nicht.

Auf technischer Seite bietet das Display ein paar Neuerungen. Zum Beispiel setzt nun auch das günstigere Smartphone im OnePlus-Portfolio auf eine sogenannte „Chip-on-Panel-Bauweise“ (COP), bei der die Komponenten zur Ansteuerung des Bildschirms, die im unteren Bereich mit dem Panel verbunden sind, gefaltet hinter dem Display verstaut werden. Diese Methode war im Smartphone-Segment mit dem iPhone X eingeführt worden und führt nun auch bei OnePlus dazu, dass das „Kinn“ unterhalb des Bildschirms kleiner ausfällt, wenngleich noch keine vollständige Symmetrie zum oberen Bereich hergestellt wurde.

Bildschirm ist besser ab Werk kalibriert

Darüber hinaus führt der Hersteller eine bessere Kalibrierung nach DCI-P3 direkt ab Werk durch. Den primär für Filme im Heimkino entwickelten Standard erfüllt das OnePlus 8T zu 100 Prozent und kommt mit einem Weißpunkt von 6.900 Kelvin auf ein deutlich natürlicheres Weiß als frühere Geräte. Der Kontrast geht aufgrund der AMOLED-Technik gegen unendlich, für die Helligkeit gibt OnePlus punktuell bis zu 1.100 cd/m² in der Spitze an. ComputerBase kann mit dem eigenen Kolorimeter minimal einen Weißanteil von 10 Prozent messen, wo mit Werten von über 850 cd/m² etwas schlechtere Resultate als die Herstellerangabe erreicht werden. Mit über 750 cd/m² bei 100 Prozent „Average Picture Level“ schneidet das OnePlus 8T aber deutlich besser ab als das OnePlus 7T vor einem Jahr und kommt dem OnePlus 8 Pro gefährlich nahe.

Außerdem will OnePlus den Energieverbrauch des Panels reduziert haben, was sich allerdings nur eingeschränkt überprüfen lässt. Zutreffend ist hingegen, dass das OnePlus 8T durchaus sehr lange Akkulaufzeiten etwa beim Streaming erreicht.

OxygenOS 11 mit Always-on-Display

Völlig neu, allerdings mehr auf die Software bezogen als durch Veränderungen an der Hardware umgesetzt, ist die mit OxygenOS 11 eingeführte Unterstützung für ein echtes Always-on-Display (AOD), das sich vielfältig vom Anwender gestalten lässt. Das AOD lässt sich mit elf Zifferblättern gestalten und stellt unter anderem Zeit und Datum, Benachrichtigungen aus verschiedenen Messengern, den aktuellen Akkustatus oder auch einfach nur einen Bildschirmschoner dar. Darüber hinaus stellt OnePlus drei speziell designte Zifferblätter zur Verfügung, die kreative Besonderheiten aufweisen.

Den Anfang dieser speziellen AODs macht das „Insight AOD“, das von der in New York ansässigen Parsons School of Design entworfen wurde und sich um das Thema digitales Wohlbefinden dreht. Indem die Anzahl der Entsperrungen des Smartphones angezeigt wird, soll der Nutzer dazu verleitet werden, eben dies weniger häufig zu tun und stattdessen mehr Zeit im „echten Leben“ zu verbringen. „Insight AOD“ zeigt zudem den aktuellen Sonnenstand auf einer vertikal verlaufenden Linie an und positioniert darauf die aktuelle Uhrzeit. Bei „Canvas AOD“ werden hingegen Porträtaufnahmen aus der Galerie ausgewählt, die dann als simpler Sketch auf dem Sperrbildschirm landen. Beim Entsperren des Smartphones wird ein sanfter Übergang zum echten Bild als Hintergrund durchgeführt. Darüber hinaus kann mit „Bitmoji AOD“ ein in Kooperation mit Snapchat entwickeltes, personalisiertes 3D-Emoji auf dem AOD angezeigt werden.

OnePlus stattet das neue Smartphone mit einem vom OnePlus 8 bekannten Prozessor aus: dem Qualcomm Snapdragon 865 aus weiterhin moderner 7-nm-Fertigung. Auf einen Wechsel zum etwas schnelleren Snapdragon 865 Plus hat der Hersteller verzichtet, obwohl OnePlus eigentlich zur ersten Riege bei der Adaption neuer Prozessoren von Qualcomm zählt. Beim OnePlus 8T, das eben nicht das neue Spitzenmodell des Konzerns ist, spielt aber auch der Preis eine wichtige Rolle, der unterhalb dem des Vorgängers liegen sollte, weshalb am Prozessor keine Veränderungen vorgenommen wurden.

Im erwarteten Rahmen fallen deshalb die Benchmark-Ergebnisse aus, wenngleich das OnePlus 8T mit dem neuen OxygenOS 11 auf Basis von Android 11 nicht ganz an die Werte eines OnePlus 8 Pro mit älterem OxygenOS 10 herankommt. ComputerBase hat das Smartphone mit OxygenOS 11.KB05BA getestet, das noch nicht die finale Software zur Auslieferung darstellt. Zu den teils schlechteren Ergebnissen sei auch gesagt, dass das OnePlus 8 Pro mit etwas schnellerem LPDDR5-RAM ausgestattet ist. Ein Direktvergleich mit dem normalen OnePlus 8 ist mangels Testgerät nicht möglich, das ältere OnePlus 7T wird aber klar geschlagen.

Die Bestückung von Arbeits- und Nutzerspeicher fällt vollkommen identisch zum OnePlus 8 aus. Das Basismodell bietet 8 GB LPDDR4X, die teurere Variante 12 GB desselben Typs. Der etwas neuere LPDDR5 bleibt ein weiterer exklusiver Baustein des teureren OnePlus 8 Pro. Schon beim OnePlus 8 hatte es diese Unterscheidung gegeben. Der Snapdragon 865 bietet grundsätzlich beide Speicherinterfaces, sodass Smartphone-Hersteller selbst entscheiden können, welche Generation sie verbauen möchten. Mit der RAM-Erweiterung auf 12 GB geht stets ein größerer Nutzerspeicher mit 256 statt 128 GB einher, der in beiden Geräten auf schnellem UFS 3.1 basiert.

Erfreulicherweise hat die Preisreduzierung nicht zu Sparmaßnahmen am UFS 3.1 geführt, da auch das OnePlus 8T mit die schnellsten sequentiellen Lese- und Schreibraten unter den aktuellen Android-Smartphones liefert. Rund 1,7 GB/s beim Lesen und 740 MB/s beim Schreiben stehen dem OnePlus 8 Pro sowie anderen High-End-Smartphones aus deutlich höherer Preisklasse in nichts nach. OnePlus-typisch lässt sich der Speicher nicht erweitern, jedoch sind 128 GB ein solider Einstieg und 256 GB stehen für 100 Euro Aufpreis zur Wahl.

Snapdragon 865 bremst nicht

Obwohl die Hardware identisch zur letzten Generation ist, hat sich OnePlus des Kühlsystems angenommen und verbaut nun eine größere Verdampfungskammer („Vapor Chamber“) mit einer Graphitbeschichtung auf mehreren Bauteilen von Kühlung und Hardware-Komponenten, um die Wärme besser abtransportieren und in der Fläche verteilen zu können. Das ist neben dem etwas größeren Akku einer der Punkte, warum das Kameramodul nicht mehr zentral, sondern oben links im Gehäuse sitzt.

Probleme mit der Kühlung hatten aber auch schon frühere Generationen von OnePlus-Smartphones nicht, sodass es beim OnePlus 8T nicht verwundert, dass in aufwendigen GPU-Benchmarks, die dauerhaftes Spielen simulieren, kein Leistungseinbruch festzustellen ist. Das OnePlus 8T hält im GFXBench Manhattan 3.1 mit der Offscreen-Auflösung 1080p dauerhaft 88 FPS und landet damit auf demselben Niveau wie zuletzt das OnePlus 8 Pro. Smartphones mit Snapdragon 865 haben in diesem Test generell selten Schwierigkeiten. Insofern sind OnePlus’ Anpassungen am Kühlsystem zwar zu begrüßen, einen messbaren Unterschied machen sie im Test aber nicht.

Akkulaufzeiten mit größeren 4.500 mAh

Der zeigt sich stattdessen eher beim Akku, wo OnePlus gegenüber dem OnePlus 8 zwar nur um 200 mAh, gegenüber dem OnePlus 7T aber gleich um 700 mAh nachgelegt hat. Genau genommen ist im OnePlus 8T aber kein einzelner Akku mit 4.500 mAh verbaut, sondern zwei Zellen mit jeweils halber Kapazität werden mit dem neuen 65-Watt-Ladesystem „Warp Charge 65“ druckbetankt – mehr dazu am Ende der Seite.

Der abseits des OnePlus 8 Pro mit 4.510 mAh bisher größte Akku in einem OnePlus-Smartphone führt zu spürbar längeren Laufzeiten in den Benchmarks und im Alltag, die je nach Einsatzzweck gut bis sehr gut ausfallen. Standardmäßig läuft das OLED-Panel mit 120 Hz. Wird es auf 60 Hz reduziert, sind noch etwas längere Laufzeiten möglich. Der PCMark profitiert von dieser Maßnahme mit 13 Prozent, das YouTube-Streaming mit 7 Prozent längeren Laufzeiten.

Neue Ladetechnik Warp Charge 65

Warp Charge 65 mit bis zu 65 Watt kennt man unter anderem Namen bereits von Oppo, das ebenfalls zum chinesischen BBK-Konzern gehört. OnePlus nutzt zwei Akkuzellen à 2.250 mAh, die mit jeweils 32,5 Watt geladen werden, um so das vollständige Laden innerhalb von 39 Minuten zu ermöglichen. Das neue Ladegerät liegt dem Smartphone bei und kommt erstmals mit USB-Typ-C-Buchse statt USB Typ A.

Angepasst hat OnePlus die Kamera nicht nur bei der Position, sondern auch bei den Linsen mit nun vier an der Zahl, wobei sich nur drei davon über die Kamera-App ansprechen lassen und ohnehin nur zwei der vier Linsen Relevanz im Alltag haben. Die Hauptkamera entspricht der des OnePlus 8, arbeitet nun aber mit f/1.7-Blende.

In puncto Qualität der Hauptkamera hat sich OnePlus über die letzten Jahre stetig nach oben entwickelt, nachdem die Kameras in den ersten OnePlus-Generationen tendenziell eher ein Schwachpunkt waren. Inspiration für die Bildabstimmung scheint OnePlus bei Samsung bekommen zu haben, denn auch das OnePlus 8T tendiert zu etwas zu kräftigen Farben und einer etwas zu starken Aufhellung des Bildes durch einen zu starken Kontrast. Das sieht zwar dramatisch aus und lässt sich gut auf Social Media teilen, kommt aber nicht an die realistische Abbildung etwa des neuen Pixel 5 (Test) heran. Außerdem verliert OnePlus durch die Kontrastanhebung gleichzeitig in den hellen und dunklen Bildbereichen an Details. Ein gutes Beispiel dafür ist bei Bild 61 in der Galerie zu finden. Den Pflastersteinen im Vordergrund und den Plakaten am Berliner Dom im Hintergrund mangelt es an Details, weil das Bild dort zu hell ist. Gleichzeitig ist aber weniger im Bereich der Reifen des Ferraris zu erkennen, weil der starke Kontrast dazu führt, dass das Schwarz Details verschluckt.

Davon abgesehen liefert die Hauptkamera am Tag solide, wenngleich nicht überragende Aufnahmen, die mit einem guten automatischen Weißabgleich und einem schnellen Autofokus punkten. Wird auf den Auslöser gedrückt, ist das Bild ohne Verzögerung im Kasten.

Bildvergleich mit Pixel 5, Apple, Samsung und Huawei

OnePlus 8T im Test – Kamera (Tag)

Für das Ultraweitwinkelobjektiv hat OnePlus die Optik dahingehend überarbeitet, dass mit 123 statt 116 Grad ein größerer Winkel erfasst wird. Damit setzt sich OnePlus vor allem von Google und Huawei ab, deren Ultraweitwinkelobjektive weniger vom Motiv erfassen. Das OnePlus 8T übertrifft sogar das Galaxy Note 20 Ultra und das iPhone 11 Pro Max, die mit jeweils 120 Grad arbeiten. Die Aufnahmen mit dem Ultraweitwinkelobjektiv fallen allgemein etwas weicher aus, was aber mit einer Optik dieses Formats kaum zu vermeiden ist – vor allem am Bildrand. Das OnePlus 8T schlägt das iPhone 11 Pro Max in diesem Punkt knapp, an das Galaxy Note 20 Ultra kommt es aber nicht heran. Google liefert mit die besten Ergebnisse, bietet aber einen sichtbar kleineren Erfassungswinkel.

Nachtmodus wird nicht benötigt

Bei Nachtaufnahmen schneidet das Ultraweitwinkelobjektiv von OnePlus vergleichsweise gut ab, wobei unter diesen Bedingungen möglichst immer mit der Hauptkamera fotografiert werden sollte. OnePlus schlägt das iPhone deutlich und das Galaxy Note 20 Ultra leicht, während Pixel 5 und vor allem das Huawei P40 Pro mit dem Ultraweitwinkelobjektiv bei Nacht die besten Ergebnisse liefern. Die bessere Qualität erkauft man sich bei Google und Huawei auch hier über den engeren Erfassungswinkel.

OnePlus 8T im Test – Kamera (Nacht)

Der Hauptkamera kommt bei Nacht jedoch eine deutlich wichtigere Rolle zu und man merkt, dass hier ein größerer Teil der Entwicklungszeit hineingeflossen ist. Das OnePlus 8T schießt selbst ohne den Nachtmodus, der ohnehin nur zu kleineren Veränderungen führt, solide Aufnahmen bei Nacht, die zwar ein wenig das schon fast übertriebene Leuchten eines Pixel 5 vermissen lassen, aber ansonsten durch die Bank mit klarer Darstellung, guter Farbabbildung und wenig Bildrauschen überzeugen. Das OnePlus 8T schneidet durchaus gleichwertig zur teils teureren Konkurrenz ab, was man vor ein paar Generationen in dieser Disziplin noch nicht von OnePlus hätte behaupten können. Den Nachtmodus hätte sich der Hersteller im Prinzip aber sparen können, da er nur in Nuancen etwa beim ansonsten sehr dunklen Himmel für eine leichte Aufhellung sorgt. OnePlus’ normaler Automatikmodus ist bei Nacht die meiste Zeit über völlig ausreichend.

Makro-Aufnahmen und Schwarz-Weiß-Modus

Die dritte Kamera ist für Makro-Aufnahmen aus einer minimalen Distanz von 3 cm ausgelegt und arbeitet mit 5 Megapixeln. In die Kamera-App hat sich allerdings ein Fehler eingeschlichen, denn dort wird empfohlen, die Makrokamera für die beste Qualität aus 30 bis 45 cm Entfernung zu nutzen. Das führt ohne einen Autofokus aber unweigerlich zu völlig verschwommenen Aufnahmen, wie auf Anhieb im Sucher erkennbar ist. Vermutlich meinte OnePlus eine Distanz von 3 bis 4,5 cm, die dann auch zu den erhofften Ergebnissen führt.

Es stellt sich aber die Frage, ob es die Makrolinse tatsächlich braucht oder ob nicht ähnliche Ergebnisse auch mit einem Zuschnitt der Hauptkamera erreicht werden. Mit 5 statt der üblicherweise 2 Megapixel liefert das OnePlus 8T immerhin eine brauchbare Qualität. Im Direktvergleich zur Hauptkamera mit Zuschnitt lassen sich in der Tat etwas mehr Details einfangen, aber auch nur, weil die Hauptkamera erneut zu stark aufhellt. Die Makrokamera hat zudem mit chromatischer Aberration zu kämpfen.

Die Schwarz-Weiß-Kamera, die genau genommen gar keine eigene Kamera ist, sondern nur ein Sensor mit 2 Megapixeln, dient als zusätzliche Informationsquelle der Hauptkamera. Aber auch hier stellt sich das Gefühl ein, dass OnePlus unbedingt mit vier Kameras werben wollte. Der Schwarz-Weiß-Modus ist als letzter von 14 Filtern in einem Untermenü zu finden, sodass er im Alltag kaum von Relevanz ist und nur selten verwendet werden dürfte. Wird der Sensor während einer Schwarz-Weiß-Aufnahme mit dem Finger abgedeckt, bleibt das Bild im Sucher zwar weiterhin vollständig sichtbar, es erscheint aber ein entsprechender Hinweis und der Sucher wechselt wieder zur Farbansicht. Die vierte „Kamera“ ist mehr Spielerei als sinnvoll im Alltag und lässt sich ohne Probleme durch eine Schwarz-Weiß-Konvertierung etwa in Google Fotos ersetzen.

Das OnePlus 8T ist vor allem aufgrund des reduzierten Preises wieder ein gelungenes Gesamtpaket geworden, das sich ebenso wie zuletzt das Pixel 5 eine Kaufempfehlung verdient hat. Diese gilt aber für das Basismodell mit 8 GB/128 GB, da hier das Preis-Leistungs-Verhältnis besser als bei der getesteten Variante mit 12 GB/256 GB ausfällt.

Obwohl das OnePlus 8T ebenfalls rund 600 Euro kostet und damit in einer Liga mit dem Pixel 5 zu spielen scheint, setzt es ganz andere Prioritäten und spricht eine andere Zielgruppe an. Das Smartphone ist vor allem von den Abmessungen her viel größer. Beim OnePlus 8T stehen außerdem mehr das schnelle 120-Hz-Display und der Snapdragon 865 im Fokus. In beiden Bereichen liefert OnePlus sehr gute Ergebnisse ab, die für ein sehr schnelles Bediengefühl sorgen und das Smartphone für künftige Updates wappnen. Mit OxygenOS 11 auf Basis von Android 11 ist das Gerät direkt ab Werk gut aufgestellt und erhält dank Update-Garantie in jedem Fall noch Android 12 und Android 13 plus ein zusätzliches Jahr Sicherheits-Updates. Pixel-5-Besitzer sind hingegen bis Android 14 abgesichert.

Von der reinen Leistung abgesehen, sammelt das OnePlus 8T mit einer guten, aber nicht überragenden Hauptkamera bei Tag und Nacht Pluspunkte, auch das erweiterte Ultraweitwinkelobjektiv mit größerem Erfassungswinkel weiß zu gefallen. Mit diesen beiden Kameras wäre das Gerät völlig ausreichend aufgestellt, stattdessen musste OnePlus aber zwei weitere integrieren, um in jedem Fall auf vier zu kommen, die im Alltag aber eine deutlich untergeordnete bis fast schon überflüssige Rolle spielen.

Vorteile des OnePlus 8T Großes Display mit 120 Hz

Schnellster Qualcomm-Chip

Neue Ladetechnik mit 65 Watt

Vorteile des Pixel 5 Kompakte Abmessungen

Sehr gute Kamera

Stock-Android mit 3 Jahren Updates

Da gefällt es umso mehr, dass OnePlus einen etwas größeren Akku mit langen Laufzeiten verbaut hat, der sich dank Warp Charge 65 in Windeseile laden lässt. Das typische Laden über Nacht wird damit ad acta gelegt, da ein kurzer Sprint am Netzteil bereits für die Nutzung eines ganzen Tages ausreichen kann. Dass kabelloses Laden auch diesmal nicht dabei ist, kann als Tribut an das Pro-Modell gesehen werden, zu dem OnePlus einen gewissen Abstand wahren und einen Kaufgrund aufrechterhalten will. Selbiges gilt für die IP68-Zertifizierung des ansonsten wieder mal sehr gut verarbeiteten Gehäuses.

Abschließend bewertet stellt das OnePlus 8T ein ebenso gutes Gesamtpaket wie das Pixel 5 dar, nur eben mit Prioritäten in anderen Bereichen und für eine andere Zielgruppe, die große Smartphones, ein schnelleres 120-Hz-Display und den neuesten Prozessor bevorzugt. Mit 8 GB/128 GB ist das Preis-Leistungs-Verhältnis jedoch stimmiger als in der getesteten Version mit 12 GB/256 GB. Das Basismodell kann in die engere Wahl beim Kauf eines neuen Smartphones genommen werden.