Auch das Lenovo ThinkPad T14 ist mit AMD Ryzen besser

Mittlerweile führt Lenovo die meisten AMD- und Intel-ThinkPads unter derselben Modellbezeichnung. Nachdem wir nun sowohl das T14 mit dem Intel-Prozessor und jetzt auch mit AMD-CPU getestet haben, gilt auch hier, dass man bei AMD deutlich mehr Leistung zu einem geringeren Preis bekommt. In der T-Serie verwendet Lenovo zudem die Ryzen-Pro-Chips, die ähnlich wie bei Intels vPro-Technologie zusätzliche Sicherheitsfunktionen bieten. Der einzige wirkliche Nachteil ist der Verzicht auf Thunderbolt 3, hier kann die Wahl also auch von der geplanten Dockingstation abhängen. Im Gegenzug gibt es aber einen HDMI-2.0-Anschluss, ein externer 4K-Monitor lässt sich also auch mit 60 Hz ansteuern.

Auch bei den Displays gibt es eine Einschränkung, denn das spiegelnde 4K-Panel ist ausschließlich in Verbindung mit Intel-CPUs verfügbar. Bei einem mobilen Business-Notebook ist das unserer Meinung nach aber nicht weiter schlimm, denn das matte LowPower-1080p-Display ist mit seiner Helligkeit von 400 cd/m² und der guten Farbdarstellung eine sehr gute Wahl. Allerdings gilt auch wie bei anderen 14-Zoll-ThinkPads, dass Lenovo vier verschiedene Modelle des Panels verbaut, und man im Vorfeld nicht weiß, welche Version man bekommen wird. Dass es durchaus Unterschiede gibt, haben wir schon in unserem Vergleichsartikel gesehen. 

Bei der Akkulaufzeit hat das Intel-Modell ebenfalls einen leichten Vorteil. Sobald man sich aber die Leistungswerte ansieht, liegt AMD ganz klar vorne. Das gilt auch schon für den “kleinen” Ryzen 5 Pro 4650U mit 6 Kernen, und erst recht für den schnelleren Ryzen 7 Pro 4750U (8 Kerne). Da die Kühlung hier auch etwas besser ist, dürfte die Leistung besser ausfallen als beispielsweise beim dünneren ThinkPad T14s. Allerdings sollte man für die höchst mögliche Grafikleistung einen zweites RAM-Modul verbauen, was dank dem freien Slot kein großes Problem ist. Wenn man mit dem ThinkPad T14 nach Feierabend auch mal eine Runde spielen möchte, kann der Dual-Channel-RAM den Unterschied zwischen flüssigem und ruckelndem Gameplay machen.

Lenovo ThinkPad T14 im Test: Bester Business-Laptop auf dem Markt?

Lenovo bietet sein beliebtes Business-Notebook ThinkPad T14 sowohl mit Intel- als auch AMD-Prozessoren an. Anders als in der Vergangenheit werden beide Varianten nun unter derselben Bezeichnung geführt. Die Intel-Version des T14 haben wir bereits getestet, jetzt ist auch das T14 AMD an der Reihe. Unser Testgerät ist ein Campus-Modell mit der Bezeichnung 20UES00H00 für rund 1.100 Euro; die entsprechende Version für reguläre Kunden ist für etwa 1.300 Euro in Lenovos Online-Shop erhältlich.

Das Testgerät ist mit dem AMD Ryzen 5 Pro 4650U, der integrierten RX Vega 6, 16 GB RAM (Single-Channel) und dem matten LowPower-1080p-Display ausgestattet. Da sich das Testgerät in vielen Bereichen nicht von dem ThinkPad T14 mit dem Intel-Prozessor unterscheidet, werden wir vor allem auf die Unterschiede und die Leistung der Komponenten eingehen. Für alle weiteren Information zum Gehäuse, den Eingabegeräten und den Lautsprechern verweisen wir auf unseren ausführlichen Test des ThinkPad T14 Intel:

Ausstattung – T14 AMD ohne TB3, dafür mit HDMI 2.0

Das AMD basierte T14 unterstützt kein Thunderbolt 3. Die beiden USB-C-Anschlüsse (USB 3.1 Gen.2, 10 Gbit/s) können aber dennoch zum Laden und zum Anschluss von externen Monitoren (DisplayPort 1.4 Alt-Mode) verwendet werden. Ein Vorteil gegenüber dem Intel-Modell ist der HDMI-2.0-Ausgang, 4K-Monitore können also mit 60 Hz angesteuert werden.

Display – Bekannter 1080p-Screen

Das matte LowPower-Display mit der Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Pixel) haben wir bereits in den verschiedensten ThinkPad-Modellen getestet. Insgesamt verbaut Lenovo Panels von vier verschiedenen Zulieferern, die wir auch schon gegenübergestellt haben. Als Käufer hat man keinen Einfluss darauf, welches Panel man bekommt. Genau dieses Panel haben wir auch schon in bei der Intel-Version des ThinkPad T14 unter die Lupe genommen, weshalb wir uns an dieser Stelle kurz fassen wollen.

Der subjektive Bildeindruck ist sehr gut und auch helle Flächen wirken nicht zu körnig. Die Werte für die Helligkeit, den Schwarzwert und den Kontrast sind allesamt sehr gut für einen Business-Laptop und übertreffen auch die Konkurrenten von HP und Dell, die wir getestet haben. PWM ist nicht vorhanden, allerdings leidet dieses Panel ein wenig unter den langsamen Reaktionszeiten, was zu Nachzieheffekten (Ghosting) führt. Die Farbgenauigkeit ist bereits ab Werk in Ordnung, lediglich für die Bildbearbeitung empfiehlt es sich, den Bildschirm zu kalibrieren. Im Freien schlägt sich das matte Panel mit der hohen Helligkeit ebenfalls sehr gut. 

Prinzipiell ist die Bildschirmauswahl bei den beiden ThinkPad-Versionen (Intel/AMD) identisch, allerdings ist das spiegelnde 4K-Panel dem Intel-Modell vorbehalten. Bei einem Business-Notebook ist das unserer Meinung nach aber sowieso nicht das Panel der Wahl.

Leistung – ThinkPad mit 6-Kern AMD Ryzen Pro

Standardmäßig werden die meisten Konfigurationen des ThinkPad T14 mit Single-Channel-RAM ausgeliefert. Durch den zusätzlichen SODIMM-Slot lässt sich der Arbeitsspeicher aber vergleichsweise leicht aufrüsten. Gerade bei der Leistung der integrierten GPU kann das zu einem spürbaren Leistungsvorteil führen. Für unsere Benchmarks und die Bewertung haben wir die Single-Channel-Konfiguration verwendet, in einzelnen Bereichen werden wir uns aber zusätzlich ansehen, welchen Einfluss ein zweites RAM-Modul (in diesem Fall 16 GB DDR4-3200 von Crucial) hat.

Prozessor – T14 mit Ryzen 5 Pro

Im Vergleich zu den günstigeren ThinkPad-Modellen der L- oder E-Baureihe verwendet Lenovo Ryzen-Pro-CPUs für die teurere T-Serie. Diese Pro-CPUs bieten zusätzliche Sicherheitsfunktionen, die mit Intels vPro-Technologie vergleichbar sind. Maximal gibt es den Ryzen 7 Pro 4750U mit 8 Kernen, in unserem Testgerät kommt jedoch der etwas langsamere Ryzen 5 Pro 4650U mit 6 Rechenkernen zum Einsatz (12 Threads, maximal 4,0 GHz).

Lenovo ist bei der TDP-Konfiguration des T14 recht konservativ und erlaubt kurzzeitig 25 Watt (6x 3,1-3,2 GHz) und dann auf 23 Watt (6x 3,0 GHz). Das Intel-Modell darf zunächst deutlich mehr Strom verbrauchen, pendelt sich bei längerer Belastung dann aber nur bei ~17 Watt ein. Das dünnere T14s AMD ist ebenfalls etwas schlechter aufgestellt (25/18 Watt).

Die CPU-Leistung ist praktisch gleichauf mit dem HP EliteBook 845 G7, welches von einer etwas höheren TDP-Konfiguration profitiert (30/23 Watt). Das ThinkPad T14s mit dem schnelleren Ryzen Pro 7 liegt vor allem in den Multi-Tests noch etwas vorne, das T14 mit dem Ryzen 7 Pro dürfte aber auch hier noch etwas besser abschneiden. Die Intel-Konkurrenz wird hingegen ganz klar geschlagen. Hier muss man auf die ersten Business-Laptops mit Tiger-Lake-CPUs warten, derzeit sind die AMD-CPUs aber ganz klar vorne, wenn es um die Leistung geht.

Insgesamt kann man hier ganz klar sagen, dass auch der “kleine” Ryzen 5 Pro einen hervorragenden Eindruck hinterlässt und für einen mobilen Business-Laptop enorm viel Leistung bietet. Im Akkubetrieb ist die Leistung nicht reduziert.

System Performance

Bei der Systemleistung konnten wir keine Einschränkungen erkennen und wie erwartet handelt es sich beim T14 um ein sehr reaktionsschnelles System. Mit einem zweiten RAM-Modul steigert sich das Ergebnis im PCMark 10 um etwa 6 % (4.740 vs. 4.473 Punkte). 

Massenspeicher – T14 mit schneller PCIe-SSD von Samsung

Das ThinkPad T14 bietet einen Steckplatz für eine normale M.2-2280-SSD. In unserem Testgerät stammt das Laufwerk von Samsung (PM981a) mit einer Kapazität von 512 GB, von denen nach der ersten Inbetriebnahme noch 445 GB frei sind. Die Leistung der PCIe-NVMe-SSD ist sehr gut. Den freien M.2-2242-Steckplatz, der eigentlich für das optionale WWAN-Modul vorgesehen ist, kann ebenfalls mit einer PCIe-SSD ausgestattet werden.

Grafikkarte – Radeon RX Vega 6

Der AMD Ryzen 5 Pro 4650U kommt mit der integrierten Grafikkarte Radeon RX Vega 6. Im Vergleich zu früheren Versionen der Vega 6 ist der Kerntakt nun deutlich höher (1.500 vs. 1.100 MHz), doch die Leistung wird bei unserem Testgerät durch die Single-Channel-Konfiguration des Arbeitsspeichers ausgebremst. Sobald wir den zweiten Riegel einsetzen, sehen wir je nach Benchmark ein Leistungsplus von 30-44 % (siehe Tabelle). Die Intel-iGPUs der Comet-Lake-Prozessoren (die aktuell immer noch für Business-laptops verwendet werden) sind deutlich langsamer.

Die Leistung der iGPU bleibt auch bei längerer Belastung stabil, denn der Fire-Strike-Stresstest wird mit 99,4 % problemlos bestanden. Auch im Akkubetrieb gibt es keine Leistungsreduzierung.

Gaming Performance

Einen Office-Laptop wie das T14 wird man natürlich nicht primär zum Spielen nutzen, doch einfache Titel sind mit niedrigen Settings durchaus möglich. In diesem Fall bringt ein zweites RAM-Modul einen deutlichen Leistungsschub, was man auch anhand der folgenden Tabelle gut erkennen kann.

Emissionen – Leiser Lüfter und hohe Temperaturen

Geräuschemissionen

Wie schon beim Intel-Modell des ThinkPad T14 und auch dem ThinkPad T14s bleibt der Lüfter unseres AMD basierten Testgerätes sehr zurückhaltend und bleibt auch unter Last angenehm ruhig. Insgesamt gibt es zwischen den drei Modellen kaum Unterschiede bei den Messungen, Lenovo setzt den Fokus bei seinen Business-Laptops also weiterhin auf eine geringe Lautstärke. Sonstige elektronische Geräusche konnten wir während der Testperiode nicht hören.

Temperatur

Die geringe Lüfterlautstärke wird unter Last allerdings mit hohen Oberflächentemperaturen erkauft, allerdings bleiben die Werte ein wenig unter dem T14 mit dem Intel-Prozessor. In unserem Stresstest messen wir an der Unterseite aber dennoch knapp 60 °C und fast 50 °C auf der Oberseite der Baseunit. Diese Temperaturen sind zu hoch für einen Office-Rechner und unter Last sollte man das Gerät auch nicht auf den Oberschenkeln abstellen.

Wie schon bei der reinen CPU-Last pendelt sich der Stromverbrauch der APU sehr schnell bei 23 Watt ein und bleibt auch auf diesem Niveau. Das reicht für einen Prozessortakt von 6x ~2,4 GHz und die iGPU mit knapp 700 MHz.

Energieverwaltung – AMD-ThinkPad mit erhöhtem Stromverbrauch

Energieaufnahme

Vor allem unsere Idle-Messungen zeigen, dass Lenovo den Stromverbrauch der AMD-ThinkPads noch optimieren muss. Wie auch schon beim T14s sind die Werte höher als bei vergleichbaren Intel-Modellen. Zudem zeigt HP mit dem EliteBook 845 G7, wie es besser geht. Hier ist der Idle-Min-Wert (bei dem die maximale Helligkeit des Displays keine Rolle spielt) fast 2 Watt geringer. Das mitgelieferte 65-Watt-Netzteil ist auch unter Last vollkommen ausreichend.

Akkulaufzeit

An der Akkukapazität (50 Wh) hat sich im Vergleich zum Intel-Modell nichts verändert, durch den höheren Stromverbrauch fallen die Akkulaufzeiten dementsprechend geringer aus. Knapp 8,5 Stunden im WLAN-Test (bzw. 7,5 Stunden bei voller Helligkeit) für das AMD T14 sind nicht schlecht, doch das Intel T14 erreicht hier mit 11 bzw. 8:13 Stunden spürbar bessere Laufzeiten. Im Videotest ist das AMD-Modell hingegen vorne, hier scheint die iGPU effizienter zu arbeiten als das Pendant von Intel. Unter Last ist bei beiden Versionen nach rund 70 Minuten Schluss.

Fazit – Auch das T14 ist als AMD-Version die bessere Wahl

Wie schon bei vielen anderen ThinkPads hat auch das T14 mit dem AMD-Prozessor in unserem Test einen besseren Eindruck hinterlassen als das Intel-Modell. Die Akkulaufzeit ist zwar etwas schlechter und auch Thunderbolt 3 fehlt, im Gegenzug gibt es aber einen HDMI-2.0-Anschluss und vor allem deutlich mehr CPU- und auch GPU-Leistung. Wäre unser Testgerät mit Dual-Channel-RAM oder sogar dem schnelleren Ryzen-7-Pro-Prozessor ausgestattet, wäre der Leistungsvorsprung noch größer. Die Tatsache, dass es den optionalen 4K-Bildschirm (spiegelnd) nicht für das AMD basierte T14 gibt, stört uns bei einem Office-Rechner ehrlich gesagt wenig.

Auch das ThinkPad T14 mit der AMD-Ryzen-Pro-CPU kann im Test überzeugen und bietet für weniger Geld deutlich mehr CPU- und GPU-Leistung. Insgesamt ist es der bessere Allrounder im Büro.

Das AMD-Modell bietet noch zwei weitere Vorteile. Da Lenovo hier die Pro-Versionen der AMD-CPUs verwendet, gibt es automatisch erweiterte Sicherheitsfunktionen. Diese gibt es auch bei Intel, dort muss man aber spezielle (und nochmals teurere) Prozessoren mit vPro-Unterstützung kaufen. Dann wäre noch der Preis, denn ein vergleichbares Intel-Modell des T14 ist rund 300 Euro teurer.

Damit bekommt das T14 AMD auf jeden Fall unsere Empfehlung, auch wenn das teurere T14s AMD insgesamt noch besser abgeschnitten hat und aktuell das beste Office-Notebook von Lenovo bleibt.

Lenovo ThinkPad T14, T14s & X13: AMD-Versionen haben doch keinen Thunderbolt-Port

Thunderbolt 3 war und ist einer der großen Vorteile von Laptops mit Intel-CPUs. Schließlich ermöglicht dieses Feature spezielle Zubehörteile wie externe GPUs. Und da es von Intel entwickelt wurde, war und ist der Standard nicht bei AMD Laptops verfügbar.

Aufgrund dieser Hintergrundgeschichte war die Ankündigung der neuen AMD ThinkPads von Lenovo ein wichtiger Meilenstein. In den Datenblättern von Lenovo ThinkPad T14, ThinkPad T14s und ThinkPad X13 war Thunderbolt 3 nämlich in den Datenblättern gelistet, das erste mal bei einem ThinkPad-Laptop mit AMD CPUs.

Bedauerlicherweise hat sich herausgestellt, dass die Datenblätter, die uns Lenovo im Februar aushändigte, ziemlich fehlerbehaftet waren, zum Beispiel was den angeblich fehlenden RJ45-Ethernet-Port beim ThinkPad T14 betraf.

Wie sich herausstellte, war der scheinbar vorhandene Thunderbolt-3-Port bei dem AMD-Renoir-Versionen von ThinkPad T14, ThinkPad X13 und ThinkPad T14s auch ein solcher Fehler. Wir haben nämlich ein aktualisiertes Datenblatt für T14 und T14s gefunden, das bei beiden nur USB 3.1 Gen 2 Typ C statt Thunderbolt 3 listet. Auf Nachfrage hat uns Lenovo bestätigt, dass die ersten Datenblätter auch in dieser Hinsicht fehlerhaft waren.

Lenovo hat der Presse einfach falsche Datenblätter gegeben. Eine enttäuschende und beschämende Situation, nicht nur für Lenovo, sondern auch für uns – schließlich haben wir unsere Leser auf Basis der Informationen, die wir hatten, falsch informiert.