Wir haben vor kurzem das Latitude 7410 Chromebook Enterprise von Dell getestet – ein High-End-Chromebook mit einem Preisschild, das seiner Leistung entspricht. Das Gerät ist ein spannendes (wenn auch teures) Business-Chromebook. Doch was ist mit denjenigen, die sich die gleiche tolle Chrome-OS-Erfahrung in Tabletform wünschen?
Vorhang auf für das Latitude 7410 Chromebook Enterprise 2-in-1. Das Convertible ist fast eine 1:1-Kopie der Clamshell-Version des Latitude 7410 Chromebook. Nur das 360°-Scharnier und eine Handvoll andere kleine Änderungen unterscheiden diese beiden Geräte. Auf diese Unterschiede werden wir in diesem Testbericht eingehen. Unsere Testkonfiguration (Core i5-10310U, 16 GB RAM, 256 GB NVMe SSD) ist um etwa 1.700 Euro zu haben. Sind die Veränderungen den zusätzlichen Preis wert?
Das Latitude 7410 Chromebook Enterprise 2-in-1 tritt gegen die gleichen Chromebooks an wie seine Standard-Variante. Das sind unter anderem das Dell Inspiron 7486 Chromebook 14, das HP Chromebook x360 14 G1, das Lenovo Yoga Chromebook C630 und das Acer Chromebook 715.
Gehäuse und Ausstattung
Jede Seite des Latitude besteht aus Aluminium, was dem Gerät ein Premium-Aussehen verleiht und es sich auch wertig anfühlen lässt. Das gebürstete Finish versteckt Fingerabdrücke auch sehr gut. Der Tastaturbereich lässt sich leicht eindrücken, das ist beim Tippen aber nicht weiter bemerkbar. Das restliche Gehäuse ist sehr stabil. Der Deckel ist dick und lässt sich nur minimal verwinden, was zum Teil auch der Glasoberfläche auf dem Display zu verdanken ist. Die Spaltmaße sind durchgehend gleichmäßig.
Das Latitude 7410 Chromebook 2-in-1 ist für ein Convertible angemessen klein und leicht. Die Oberflächen aus Metall und Glas lassen die 1,5 kg im Tablet-Modus etwas klobig wirken. Andere Chromebooks sind noch etwas leichter, allerdings sind Premium-Chrome-OS-Geräte (wie das Acer Chromebook 715) deutlich größer und schwerer.
Die Portauswahl entspricht der auf dem Standard-Latitude-7410-Chromebook. Es gibt zwei USB-A- und zwei USB-C-Anschlüsse (alle USB 3.2 Gen 1, 5 GBit/s). Beide USB-C-Anschlüsse können zum Aufladen des Laptops sowie zum Verbinden eines Displays über DisplayPort genutzt werden.
Interessanterweise sind die für ein Convertible üblicherweise seitlich vorhandenen Tasten (Lautstärke, Ein-/Ausschalttaste) hier nicht zu finden. Das macht die Handhabung des Latitudes im Tablet-Modus etwas umständlich, da man die Lautstärke hier nicht einfach ändern oder das Gerät schnell aus dem Ruhemodus holen kann.
Eingabegeräte
Die Tastatur des Convertibles scheint die gleiche zu sein wie auf der Clamshell-Version des Latitude 7410 Chromebook (gleiche Größe). Allerdings ist die Tastatur des 2-in-1-Modells deutlich besser. Der Druckpunkt der Tasten fühlt sich beim Tippen etwas weich an, dafür ist das Feedback sowie der Hub gut. Beim Tippen entsteht kaum ein Geräusch, nur ein dumpfes Schlagen ist bei hohen Geschwindigkeiten (vor allem bei der Leertaste) zu vernehmen. Insgesamt können wir uns nicht beschweren und die meisten Nutzer werden mit dieser Tastatur durchaus zufrieden sein.
Das Clickpad ist ebenfalls ausgezeichnet. Die Glas-Oberfläche fühlt sich wertig an und lässt Finger gleichmäßig gleiten. Eingaben werden korrekt übernommen. Wieder ähnelt das Clickpad dem des Standard-Latitude-7410-Chromebook, wobei sich der Klick-Mechanismus hier fester anfühlt und schneller wieder in die Höhe springt. Insgesamt haben wir auch hier keine großen Kritikpunkte.
Das Touchscreen ist genau und reaktiv. Das Scrollen ist gleichmäßig und es gibt kaum ausgelassene Inputs.
Display
Das 14-Zoll-FHD-Display ist hell und lebendig. Die Ausleuchtung ist gleichmäßig (95 %), der Schwarzwert ist gut (0,18) und das Kontrastverhältnis ist mit 1.650:1 dementsprechend ausgezeichnet. Das bedeutet, dass Schwarztöne tief und dunkel dargestellt werden, während Farben schön leuchten. Wir haben etwas Rauschen in dunklen Szenen festgestellt. Hier werden die Ränder heller Motive vor schwarzem Hintergrund in Stufen geblockt dargestellt. Die Farbtemperatur ist auch nicht ganz richtig (5.957 K statt 6.500 K (ideal)), was weißen Flächen einen leichten Rosastich verleiht. Abgesehen davon ist das Panel recht gut. PWM wird mit einer Frequenz von 1.667 Hz eingesetzt. Das sollte den meisten Nutzern nicht auffallen.
Die Farbgenauigkeit des Panels ist mit einem durchschnittlichen DeltaE2000-Wert von 3,29 gut und liegt nur knapp über dem professionellen Grenzwert von 3. Grautöne sind etwas weniger genau und haben einen durchschnittlichen DeltaE2000-Wert von 5,8. Abgesehen von hellen Blautönen ist die Farbabweichung sehr gering.
Die Blickwinkel sind ausgezeichnet. Text und Bilder bleiben bei jedem Blickwinkel bis fast 90° scharf und hell.
Das Glas auf dem Display hat eine Anti-Glare-Schicht, was die Nutzung des Latitude 2-in-1 im Freien oder unter starker Beleuchtung vereinfachen sollte. Lichthöfe sind kaum vorhanden – nur ein kleiner Strich am unteren Rand kann im vollständig dunklen Zimmer mit Mühe vernommen werden.
Leistung
Das Latitude 7410 Chromebook 2-in-1 ist mit einer beeindruckenden Hardware ausgestattet. Ein Vier-Kern-Comet-Lake-Prozessor mit 16 GB RAM und 256 GB NVMe-SSD positionieren den Latitude was die Leistungsfähigkeit betrifft ganz oben. Das ist eines der leistungsstärksten Chromebooks auf dem Markt.
Prozessor
Der Comet-Lake-Prozessor Core i5-10310U (CML-U) bietet mehr Leistung als für Chrome OS notwendig. Aufgaben wie das Surfen im Netz, Büroarbeiten (über Googles Office Suite) und das Streamen von Videos meistert dieser Chip problemlos. Das Latitude könnte durchaus als bestes Chromebook der Welt antreten. Es kaut sich locker durch große Spreadsheets und bearbeitet aufwendige Aufgaben (wie das gleichzeitige Streamen von 4K-60-fps-Videos in 5 unterschiedlichen Browser-Tabs) mit links ohne hängenzubleiben oder sich zu verlangsamen.
Android-Leistung
Wie die meisten modernen Chromebooks nutzt auch das Latitude 7410 Chromebook 2-in-1 Android 9, um Android-Apps nativ zu nutzen. Allerdings funktioniert das, wie schon beim Clamshell-Modell, nicht immer so einwandfrei und hängt stark von der jeweiligen App ab. CPU-Benchmarks wie Geekbench positionieren das Latitude auf der Höhe von Android-Flaggschiffen. Laut Grafikbenchmarks wie GFXBench gehört es hingegen eher in den mittleren Bereich.
Die meisten Android-Apps starten und laufen ohne größere Probleme. Allerdings kann es immer wieder zu unerwarteten Problemen kommen, was möglicherweise auf die schlechte Treiber-Unterstützung zurückzuführen ist. Wenn man bedenkt, dass die Intel-Hardware des Latitude in der Android-Welt eher ungewöhnlich ist, kann dies durchaus der Fall sein.
Speicher & Wartung
Wie der herkömmliche Latitude 7410 Chromebook Enterprise ist auch die 2-in-1-Version mit einer austauschbaren NVMe-SSD ausgestattet. Das Speichergerät ist blitzschnell. Dell verkauft das Latitude mit entweder 128, 256 oder 512 GB Speicher. Wenn man bedenkt, wie sehr Chrome OS auf die Cloud ausgerichtet ist, wirken die höheren Speicherkapazitäten ehrlich gesagt etwas überflüssig.
Nutzer können sowohl den Massenspeicher (M.2 2230 mit Adapter oder M.2 2280) als auch die WWAN-Karte austauschen, indem sie die Bodenplatte entfernen.
Grafikleistung & Gaming
Der Intel UHD Graphics 620 ist ein guter Grafikprozessor für Chrome OS. Er meistert das Rendern von Webinhalten und Streamen von Videos (wie bereits erwähnt werden 4K60-Videos problemlos dargestellt) und unterstützt bis zu 3 externe Displays, die über die UBS-C- und HDMI-Ports verbunden werden können.
Beim Gamen hingegen kann keine so einfache Aussage getroffen werden. Android-Games funktionieren etwa so gut wie auf einem Mittelklasse-Smartphone. Mittlere Einstellungen ergeben bei den meisten High-End-Titeln spielbare Frameraten. Das Gamen auf Stream über Linux ist auch möglich, allerdings ist die iGPU hier nur für einfachere Spiele geeignet. Denken Sie daran, dass Chromebooks mit OpenGL und nicht DirectX arbeiten, wodurch die Leistung in Chrome OS geringer ist als bei Windows.
Emissionen & Energie
Geräuschemissionen
Der Lüfter des Systems ist selbst under Last flüsterleise. Seine tiefe Frequenz trägt weiter dazu bei, dass er unbemerkt bleibt. In einer normalen Büroumgebung werden Nutzer den Lüfter nicht vernehmen können. Spulenfiepen ist in der Nähe der Tastatur zu hören, allerdings nur leise.
Temperatur
Auch wenn der Lüfter unter jeder Last leise bleibt, heizt die Oberfläche kaum auf. An zwei Hotspots über und unter dem Prozessor wird es etwas wärmer, allerdings bleiben die Temperaturen auch hier im angemessenen Bereich. Die Tastatur ist jederzeit angenehm und kühl, auch unter hoher Last. Im Tablet-Modus wärmt sich keine Berührungsfläche unangenehm auf.
Lautsprecher
Die beiden Lautsprecher sind leider von schlechter Qualität. Sie können zwar relativ laut werden (~85 dB(A)), geben aber nach unten aus der Basiseinheit aus. Diese Orientierung führt dazu, dass der Sound entweder vom Tisch, auf dem das Latitude im Laptop-Modus gerade steht, oder im Tablet-Modus vom Display blockiert wird. Zusätzlich dazu fehlt es an Bass, was das allgemeine Klangprofil dünn und blechern klingen lässt. Wir empfehlen den Einsatz von Kopfhörern.
Energieaufnahme
ChromeOS ist ein sehr leichtes Betriebssystem. Die Hardware des Latitude ist zusätzlich dazu auf Effizienz ausgerichtet. Das führt dazu, dass das Gerät sehr wenig Energie aufnimmt. Unter extremer Last konnten wir eine durchschnittliche Energieaufnahme von 22 – 25 Watt messen. In den meisten üblichen Szenarien wird das Chromebook zwischen 10 und 15 Watt aufnehmen. Das inkludierte USB-C-Netzteil hat eine Nennleistung von 65 Watt.
Akkulaufzeit
Der 68-Wh-Akku gewährt dem Latitude 7410 Chromebook 2-in-1 sehr lange Akkulaufzeiten. In unserem WiFi v1.3 Akkutest erreicht das Latitude beeindruckende 15 Stunden und 42 Minuten und schlägt somit jedes andere jemals von uns getestete Business-Chromebook. Das Latitude sollte keine Probleme damit haben, einen Arbeitstag ohne Zugang zur Steckdose zu überstehen.
Fazit
Das Dell Latitude 7410 Chromebook Enterprise 2-in-1 ist ein bemerkenswertes Chromebook. Es meistert die meisten wichtigen Features für Chrome OS: flüssiges Surfen im Netz, lange Akkulaufzeiten, schnelle WLAN-Geschwindigkeiten und eine gute Android- und Linux-Integration. Es gibt viel, das einem gefallen kann. Das Gerät wäre am besten für mobile Geschäftsleute geeignet, die hauptsächlich in der Cloud abhängen. Die Tastatur eignet sich gut, um Berichte einzutippen, während die Tablet-Funktion ideal für Präsentationen ist.
Allerdings hat das Latitude 7410 Chromebook Enterprise 2-in-1 eine große Schwäche: seinen Preis. Der Convertible hat einen Startpreis von rund 1.200 Euro. Unsere Testkonfiguration hingegen kostet ganze 1.700 Euro. Um diesen Preis können sich Nutzer locker ein hochqualitatives Windows-Convertible kaufen und die üblichen Fallstricke von Chrome OS (schlechte Grafikleistung und eingeschränkte Software) vermeiden.
Es gibt auch weitere Optionen zur Auswahl: Das Asus Chromebook Flip C434TA würden wir als “gut genug” einschätzen und kostet dafür rund 1.000 Euro weniger. Das HP Chromebook X360 14 G1 ist ebenfalls eine Überlegung wert. Es bietet viele der Premium-Features des Dell Latitude 7410 Chromebook 2-in-1 und ist um 600 – 700 Euro weniger zu haben.
