Test: Surface Laptop 4 – Optik die beeindruckt

Gut auszusehen war schon immer eine Stärke von Microsofts Surface-Modellen. Mit dem Modell Surface Laptop 4 sind Microsofts Laptops in der vierten Generation angekommen. Unser Test zeigt, was außer der Optik sonst noch in ihnen steckt.

Der Microsoft Surface Laptop 4 ist einfach schön. Die beeindruckende Optik war auch schon das Markenzeichen der Vorgängermodelle dieses Touchscreen-Notebooks. Daher gab es für den Hersteller Microsoft keinen Anlass, in der nunmehr vierten Generation hieran etwas zu ändern. Der Benutzer wird auch dieses Mal von einem Windows-Logo begrüßt, das in verspiegelter, lasergravierter Form auf dem Deckel prangt. Ergänzt durch seine makellose Unterseite wirkt der Surface Laptop 4 vom Design her rundum gelungen.

Auch wenn das makellose Design des Surface Laptop 4 zu den wichtigsten Kaufgründen zählt, ist es nicht verkehrt, einen Blick auf die anderen Kriterien zu werfen. In unserem Test konnte das Notebook auch hier in nahezu allen Bereichen überzeugen. Dennoch: In diesem Preissegment muss sich das Surface gegen starke Mitbewerber mit höher aufgelösten Displays und mehr Schnittstellen behaupten. Gegenüber dem Vorgängermodell wurde beim Laptop 4 das Rechentempo erhöht und die Akkulaufzeit verbessert.

Pro

  • Makelloses Design
  • Gute Performance
  • Bildschirm im 3:2-Format

Contra

  • Wenig Anschlussmöglichkeiten
  • Thunderbolt fehlt

Viele Farb- und Prozessorvarianten

Ein tolles Design muss keineswegs mit Kompromissen bei der Stabilität einhergehen. Auch wenn man das Aluminiumgehäuse des Surface Laptop 4 von Microsoft härter anfasst, knarzt und quietscht es kein bisschen. Nicht bei jedem Detail folgt Microsoft allerdings den aktuellen Trends. So beispielsweise beim Display, dessen Panelränder ziemlich breit sind. Optisch lässt sich das Surface dem individuellen Geschmack anpassen. Vier verschiedene Farbvarianten stehen hierfür zur Auswahl. Mit Alcantara-Stoffbezug: Platin und Eisblau, mit Metall-Palmrest: Mattschwarz und Sandstein. Die Tasten sind optisch jeweils an die Gehäusefarbe angeglichen.

Nicht nur optisch, sondern auch technisch bietet der Surface Laptop 4 diverse Wahlmöglichkeiten. Beim Display hat der Nutzer die Wahl zwischen einen 13,5-Zoll-Bildschirm und einem 15-Zoll-Bildschirm. Bei den Prozessoren kann zwischen einer CPU auf Basis der 11. Core-Generation von Intel und der AMD-CPU Ryzen 4000 (Renoir) gewählt werden, wobei Letztere den günstigeren Ausstattungsvarianten vorbehalten ist. Der Surface ist standardmäßig mit 8 GB RAM internem Speicher ausgestattet. Bei den Festspeichern stehen SSDs mit 256 GB und 512 GB zur Auswahl.

Für die Intel-Konfigurationen sind auch 16 GB RAM und SSDs mit 1 TB Speicherkapazität verfügbar.

Für die Intel-CPU gibt es im Surface Laptop kaum Probleme, denn Microsoft weiß den Prozessor gut zu kühlen. Die Werte des Notebooks im Cinebench R23 können sich daher sehen lassen. Sie sind besser als bei der Mehrzahl anderer Tiger-Lake-Laptops. Dennoch: wie in allen Benchmark-Tests mit starkem CPU-Fokus reicht auch in unserem Test die Leistung der Intel-CPUs bei Weitem nicht an die der Ryzen-CPUs heran.

Der Core i7 hat eindeutig die bessere GPU. Das wirkt sich nicht nur bei Spielen vorteilhaft aus, sondern auch bei vielen Multimedia-Programmen. Auch wenn der Lüfter in Phasen hoher Last aktiv ist, läuft er stets leise und gleichmäßig. Die Konzentration wird dadurch kaum beeinträchtigt. Alle Varianten der Surface-Modellreihe sind mit Lüftern ausgestattet.

Leichtgewicht mit Stehvermögen

Der Surface wiegt zwar nicht allzu viel, ist aber mit seinen 1,3 Kilogramm auch nicht gerade ultraleicht. Es gibt 14-Zoll-Notebooks, die weniger wiegen. Auf der anderen Seite ist das Gewicht auch ein Merkmal, das eine hohe Wertigkeit verheißt. Der Surface Laptop 4 ist wirkt mit seinem Alu-Gehäuse recht solide und keineswegs zerbrechlich. Auch die Akkulaufzeit kann sich sehen lassen. In unserem WLAN-Test betrug sie 12,5 Stunden und im Mobile Mark 2018 überzeugte der Laptop mit neun Stunden. Die Ladezeit des 46-Wattstunden-Akkus beeindruckte ebenfalls. Nach einer Stunde war der Akku schon zu 88 Prozent geladen.

3:2-Display in hoher Auflösung

Der Surface Laptop 4 ist mit einem hochwertigen 13,5-Zoll-Touchscreen ausgestattet. Das vielseitige Display eignet sich somit nicht nur für Office, sondern auch für Multimedia. Die Auflösung beträgt 2.256 x 1.504 und zeigt mit 3:2 das für Surface typische Seitenverhältnis. Mit rund 400 cd/qm ist das sehr gleichmäßig ausgeleuchtete Display auch für Einsätze im Freien geeignet. Zwar werden die Farbräume ordentlich abgedeckt, erfüllen hinsichtlich der Farbtreue wohl eher nicht die Ansprüche vieler Bild- und Videobearbeiter.

Mit der Tastatur lässt sich angenehm arbeiten. Der gute Hub der Tasten und die klare Rückmeldung sind ganz klar ergonomische Pluspunkte. Selbst beim schnellen Tippen ist die Geräuschentwicklung moderat. Das Touchpad ist groß und lässt sich mit mehreren Fingern bequem bedienen. Gesten werden präzise erkannt und umgesetzt. Ebenso klar ist die Rückmeldung bei einem Mausklick. Das Touchpad sitzt stabil im Gehäuse. In dessen unterem Bereich ist der Druckpunkt daher überall gleich.

Fehlende Anschlussmöglichkeiten

Wie seine Vorgänger liegen auch beim Laptop 4 die Schwachstellen bei zu wenigen Anschlüssen. Obwohl die Tiger-Lake-CPU dafür ausgestattet ist, ist Thunderbolt 4 nicht an Bord. Die Stromzufuhr läuft nach wie vor über den Connect-Anschluss, der auch zum Anschließen des als Option erhältlichen Surface Dock 2 benötigt wird. Wer einen externen Monitor verwenden möchte, kann diesen über die Buchse USB-Typ-C verbinden. Hierüber läuft übrigens auch der 10-Gbit/s-Datentransfer. Das heißt, USB 3.2 Gen 2. Ein Tempo das der Typ-A-Anschluss ebenfalls bietet. Es gib zudem noch einen Audioanschluss. Der Surface hat Wi-Fi-6 an Bord. Im Gegensatz zum Arbeitsspeicher kann die NVMe-SSD ausgebaut werden.

“Every”: Mehr düstere Zukunftsvisionen vom “Circle”-Autor

Von einem Online-Netzwerk verteilte Kameras allerorts machen jeden Moment des Lebens öffentlich – das war die Welt im Buch “Der Circle”. Kann es noch schlimmer kommen? Aber klar, sagt Autor Dave Eggers.

New York (dpa) – Dave Eggers hätte keinen besseren Moment aussuchen können, um die Fortsetzung seines Romans “Der Circle” über einen allmächtigen Internet-Konzern zu veröffentlichen.

Von der dort beschriebenen Welt ohne Privatsphäre sind wir zwar nach wie vor weit entfernt. Doch Debatten über den Einfluss von Technologie auf unser Leben und Kontrolle durch die Online-Riesen kochen beinahe täglich hoch.

Ein Facebook-Ausfall riss erst kürzlich für sechs Stunden auch die Tochterfirmen Instagram und WhatsApp aus dem Netz – könnte es ein besseres Argument gegen die Marktmacht eines Konzern geben? Apple stoppte nach Kritik einen Versuch, auf iPhones datenschutzkonform nach Kinderpornografie zu suchen. Und Facebook sah sich gezwungen, die Entwicklung einer Instagram-Version für Zehn- bis Zwölfjährige auf Eis zu legen.

“Der Circle” kam 2013 heraus. Darin waren die Lenker eines dominierenden Online-Netzwerks – mit dem Namen Circle – besessen von der Idee, dass alles auf der Welt öffentlich sein muss. Überall auf der Welt werden Kameras verteilt, die ständig einen Livestream ins Netz übertragen. Eine Räson: Wenn alle davon ausgehen müssen, ständig gesehen zu werden, wird es keine Verbrechen mehr geben.

Zunächst Politiker und dann auch andere Menschen fangen an, ständig Kameras zu tragen. “Geheimnisse sind Lügen. Teilen ist Heilen. Privatsphäre ist Diebstahl”, sind die Grundsätze des Circle. Übertrieben? Vielleicht. Aber auch undenkbar?

In der Fortsetzung – “Every” – greift Eggers nun die Geschichte einige Jahre später wieder auf. Der Circle hat einen Online-Handelsgiganten aufgekauft, “der nach einem südamerikanischen Dschungel benannt war” – wenn das kein Hinweis auf Amazon ist. Der daraus entstandene Megakonzern heißt Every.

Und hat noch mehr Einfluss auf das Leben. Die Kunden lassen ihren Alltag von der künstlichen Intelligenz in ihren Armbändern steuern. Das geringste Fehlverhalten wird sofort öffentlich angeprangert. Sogar an einer Software zum Sinnestransfer, die das Empfinden anderer erlebbar machen soll, wird gearbeitet.

Ihren Besitz lassen die Menschen von Every für digitale Kopien einscannen und die Gegenstände vernichten. Als würde die Realität die Kunst imitieren wollen, schlug Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vor wenigen Tagen das Einscannen physischer Dinge für eine geplante neue virtuelle Welt – das “Metaverse” – vor.

Nicht alle sind allerdings glücklich mit dieser “Mischung aus gut gemeintem Utopismus und pseudofaschistischer Verhaltenskonformität”. “Every” fängt auf den ersten Blick beinahe genauso wie “The Circle” an: Eine junge Frau betritt zum ersten Mal das Hauptquartier des Konzerns. Doch während im ersten Buch Mae Holland blauäugig in die Circle-Welt hineinstolpert, stehen die Vorzeichen nun anders. Delaney Wells will bei Every anheuern, um das Unternehmen von innen zu zerstören.

Ihr Plan: Every mit Ideen zu füttern, die so tief ins Leben der Menschen eingreifen und mit ihren Wertvorstellungen kollidieren, dass sie gegen den Konzern aufbegehren. Doch es kommt natürlich anders: Selbst eine Software, die erkennen kann, ob der Gesprächspartner einen anlügt, wird begeistert angenommen. “Es muss doch einen Punkt geben, wo der Schwachsinn zu viel wird”, entfährt es Delaney in einem Moment. Nur dass sie resigniert feststellen muss: “Nichts geht zu weit.” Die Frage ist nun, ob Delaney mit ihrem Feldzug Every womöglich nur noch mächtiger und unzerstörbarer macht.

Er spiele in den Büchern seine schlimmsten Ängste aus, was von den Tech-Unternehmen zu erwarten sein könnte, sagte Eggers dem Magazin “Bloomberg Businessweek”. Besondere Sorge bereitet ihm dabei, dass die Menschen selbst zu Komplizen bei ihrer ständigen Beobachtung werden.

“Ich denke nicht, dass die meisten Leuten begreifen, was für eine hemmende Veränderung unserer Spezies das ist – überwältigende, ständige Überwachung, der man nicht entfliehen kann”, betonte der Schriftsteller. Diese Evolution mache uns weniger interessant und unterwerfe uns der Technologie.

Dieses Bedürfnis, vor einer totalen Überwachung zu warnen, durchdringt tatsächlich sowohl “The Circle” als auch “Every”. Und auch die Angst, dass die Menschen dies akzeptieren werden, weil es ihr Leben zunächst einmal vermeintlich sicherer und bequemer macht.

Eggers treibt die Szenarien auf die Spitze, ähnlich wie Delaney will er aufrütteln. Und während nach dem jüngsten Widerstand gegen die Marktmacht der Technologieriesen ein Einschwenken der Geschichte auf den von ihm gezeichneten Kurs eher unwahrscheinlich erscheint – die technischen Möglichkeiten dazu werden mit ziemlicher Sicherheit irgendwann vorhanden sein.

Dave Eggers: Every, übersetzt von: Klaus Timmermann, Ulrike Wasel, Kiepenheuer&Witsch, 592 Seiten, 25,00 Euro (E-Book 19,99 Euro), ISBN 978-3-462-00112-9