Bitcoin klettert zeitweise über Marke von 45.000 US-Dollar

Anfang August geriet der Kurs des Bitcoin etwas unter Druck. Nun gibt es wieder positive Nachrichten für die Anleger der Kryptowährung.

Frankfurt/Main (dpa) – Der Kurs der Digitalwährung Bitcoin hat den höchsten Stand seit Mitte Mai erreicht und zwischenzeitlich die psychologische Marke von 45.000 US-Dollar (rund 38.265 Euro) übersprungen.

Zuletzt gab die Digitalwährung auf der Handelsplattform Bitstamp mit gut 44.000 Dollar um rund ein Prozent im Vergleich zum Vortag nach. Anfang August geriet der Kurs des Bitcoin etwas unter Druck. Allerdings hatte er sich davor in kurzer Zeit von rund 30.000 auf fast 43.000 Dollar erholt.

Die charttechnische Perspektive helle sich zusehends auf, erklärte Marktanalyst Timo Emden von Emden Research. Vor allem kurzfristig orientierte Anleger präsentierten sich in Kauflaune.

Für eine positive Grundstimmung am Markt dürfte nicht zuletzt Tesla-Chef Elon Musk gesorgt haben, der vor rund zwei Wochen ein mögliches Comeback der Kryptowährung bei Tesla abermals in Aussicht gestellt hatte. Risiken blieben aber weiter bestehen, mahnte der Experte. Die Regulierungsthematik am Markt bleibe ein Dauerbrenner.

Anbieter Oppo will unter die Top 3 in Deutschland

Der chinesische Smartphone-Anbieter Oppo will sich im deutschen Markt in die Spitzengruppe vorkämpfen.

“Wir hoffen, dass wir in fünf Jahren einen Marktanteil von 12 bis 14 Prozent haben und unter den drei führenden Playern sind”, sagte Deutschlandchef Johnny Zhang der Deutschen Presse-Agentur. Deutschland sei ein strategisch wichtiger Markt in Europa. Nicht nur wegen seiner Größe mit mehr als 20 Millionen verkauften Smartphones jährlich – sondern auch, weil der Anteil von Premium-Modellen für mehr als 600 Euro mit fast 40 Prozent besonders hoch sei.

Oppo gehört zu den chinesischen Smartphone-Anbietern, die lange im Schatten des Branchenriesen Huawei standen. Der Netzwerk-Ausrüster war die Nummer zwei im Smartphone-Markt hinter Samsung – und nahm auch schon den Spitzenplatz ins Visier. Doch 2019 verlor Huawei nach US-Sanktionen den Zugang zu wichtigen westlichen Technologien. Ein besonders großes Problem dabei ist, dass der Konzern keine neuen Smartphones mit Google-Diensten – von Karten bis zur App-Plattform Play Store – verkaufen kann. Deshalb brachen die Verkäufe von Huawei-Telefonen außerhalb Chinas ein.

Momentan Platz 4 in Europa
Jetzt füllen andere chinesische Firmen diese Lücke mit Erfolg aus. In Europa verdrängte der Oppo-Konkurrent Xiaomi nach Berechnungen der Marktforschungsfirma Strategy Analytics im vergangenen Quartal sogar Samsung vom Spitzenplatz. Demnach kam Xiaomi mit 12,7 Millionen verkauften Smartphones auf einen Marktanteil von 25,3 Prozent. Samsung sieht Strategy Analytics bei 24 Prozent Marktanteil. Oppo liegt der Analysefirma zufolge mit 2,8 Millionen verkauften Geräten und 5,6 Prozent Marktanteil auf dem vierten Rang in Europa nach Apples iPhone. Die Markt steigerte ihre Verkäufe binnen eines Jahres aber um 180 Prozent.

Die Unterstützung des superschnellen 5G-Datenfunks sei dabei ein wichtiges Verkaufsargument auch im deutschen Markt, sagte Zhang. “5G ist ein Muss für die Zukunft.” Während zunächst nur die teureren Modelle 5G-taugliche Modems hatten, rücke die Technologie in diesem Jahr auch ins Preissegment um 200 Euro vor.

Der Oppo-Konzern greift im Markt zudem mit einer Mehrmarken-Strategie an. Im Mai übernahm Oppo offiziell den zuvor lose verbandelten Anbieter One Plus und steht auch hinter der Marke Realme, die Strategy Analytics in Europa mit 3,8 Prozent Marktanteil auf dem fünften Rang führt.

Apple kündigt neue Funktionen zum Kinderschutz an

Eine Neuerung soll helfen, kinderpornografisches Material im Besitz der Nutzer zu identifizieren. Sie soll im Herbst allerdings zunächst nur für US-Nutzer eingeführt werden.

Cupertino (dpa) – Apple will den Schutz von Kindern und Jugendlichen auf seinen Geräten mit neuen Funktionen verbessern. Unter anderem wird es künftig die Möglichkeit geben, dass Eltern eine Warnmeldung erhalten, wenn ihr Kind in Apples Chatdienst iMessage Nacktfotos erhält oder verschickt.

Die Nacktheit in den Bildern wird dabei von Software auf dem Gerät erkannt, wie Apple erläuterte. Der Konzern erfährt nichts davon.

Eine weitere Neuerung, die im Herbst zunächst nur für US-Nutzer eingeführt wird, soll helfen, kinderpornografisches Material im Besitz der Nutzer zu identifizieren. Dabei werden Fotos auf den Geräten von Nutzern vor dem Hochladen in Apples Online-Speicherdienst iCloud mit einer Datenbank bereits bekannter kinderpornografischer Bilder abgeglichen. Für den Abgleich soll auf die Geräte eine Datei mit sogenannten “Hashes” solcher Fotos geladen werden – eine Art digitaler Fingerabdruck des Bildes. Darüber lässt sich ein ähnliches Foto erkennen, es kann aus dem Hash aber nicht wiederhergestellt werden.

Bei einer Übereinstimmung wird ein verdächtiges Bild mit einem Zertifikat versehen, dank dem Apple es nach dem Hochladen zur iCloud ausnahmsweise öffnen und einer Prüfung unterziehen kann. Wird dabei tatsächlich kinderpornografisches Material entdeckt, meldet Apple dies der amerikanischen Nichtregierungsorganisation NCMEC (National Center for Missing & Exploited Children), die wiederum Behörden einschalten kann.

Während die Funktion nur für Apple-Kunden mit US-Accounts aktiviert wird, ist die Datei mit den Hashes fester Teil des Betriebssystems und wird auf alle iPhones geladen, auf denen diese Version der Software installiert wird. Vor einer internationalen Einführung der Funktion müssen erst noch rechtliche Voraussetzungen geklärt werden.

Elektronik-Sparte bringt Sony mehr Umsatz und Gewinn

Die schmerzhafte Sanierung der Elektronik-Sparte zahlt sich für Sony in der Corona-Pandemie aus. Die Playstation schafft es dagegen gerade so eben, mit dem Ausnahmejahr 2020 Schritt zu halten.

Tokio (dpa) – Das lange schwächelnde Elektronik-Geschäft ist für Sony zuletzt zu einem Wachstumsmotor geworden. Mit einem Umsatzplus von 59 Prozent trug die Sparte am stärksten dazu bei, dass der japanische Konzern das vergangenen Quartal mit deutlichen Zuwächsen abschließen konnte.

Das im vergangenen Jahr stark gewachsene Spiele-Geschäft rund um die Playstation-Konsole läuft auf hohem Niveau, stößt aber an seine Wachstumsgrenzen. Zudem bremsen die Halbleiter-Engpässe den Absatz der neuen Playstation 5, die auch mehr als ein halbes Jahr nach dem Marktstart schwer zu bekommen ist.

Insgesamt steigerte Sony den Umsatz im Ende Juni abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal um 15 Prozent auf knapp 2,26 Billionen Yen (rund 17,4 Mrd Euro). Der Gewinn war mit rund 212 Milliarden Yen (gut 1,6 Mrd Euro) neun Prozent höher als im Vorjahresquartal, wie Sony am Mittwoch mitteilte.

Wachstum bei Playstation ausgereizt

Die Spiele-Sparte blieb mit einem Umsatz von 615,8 Milliarden Yen (4,75 Mrd Euro) der größte Geschäftsbereich. Es waren aber nur zwei Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Und der operative Gewinn schrumpfte um fast ein Drittel auf 83,3 Milliarden Yen (643 Mio Euro).

Die Entwicklung geht zum einen auf die außergewöhnlich guten Vorjahreszahlen zurück. Angesichts der Corona-Beschränkungen waren Videospiele im vergangenen Jahr deutlich populärer geworden – nun müssen sie wieder mit anderen Freizeitbeschäftigungen um die Zeit der Menschen konkurrieren. Zudem bremst der fortlaufende Halbleitermangel die Verkäufe der neuen Playstation 5.

Im vergangenen Quartal setzte Sony 2,3 Millionen PS5-Geräte ab – nach 3,3 Millionen im Vierteljahr davor und 4,5 Millionen im Weihnachtsgeschäft. Das Interesse der Gamer ist so groß, dass die Konsole seit der Markteinführung im November schwer zu bekommen ist.

Zugleich verwies Sony ausdrücklich darauf, dass der Konzern mit jeder verkauften Playstation 5 zunächst einmal Verlust macht, weil der Preis unter den Herstellungskosten liegt. Zum Geschäftsmodell der Branche gehört, Verluste beim Verkauf der Geräte in Kauf zu nehmen und das Geld später über die Spiele reinzuholen.

Gewinnrückgang erwartet

Sony hatte in dem Ende März abgeschlossenen vergangenen Geschäftsjahr unter anderem dank der Playstation einen Rekordgewinn von erstmals mehr als einer Billion Yen erzielt. Für das laufende Geschäftsjahr stellte Sony bereits einen Gewinnrückgang in Aussicht, hob die Prognose nun aber von 660 auf 700 Milliarden Yen an.

Den Ausschlag dafür gab vor allem das Elektronik-Geschäft, das mit einem Umsatz von gut 576 Milliarden Yen (rund 4,45 Mrd Euro) wieder in Reichweite der Spiele-Sparte vorrückte. Es seien mehr – und auch teurere – Fernseher, Kameras sowie Audio- und Videogeräte verkauft worden, erklärte Sony. Der Bereich warf einen operativen Gewinn von rund 72 Milliarden Yen (gut 550 Mio Euro) ab, nach roten Zahlen von 8,9 Milliarden Yen ein Jahr zuvor.

Sonys Geschäft mit Musik und TV-Produktionen legte unterdessen dank Streaming-Erlösen weiter zu. Zugleich werde das Wachstum durch Verzögerungen bei Kinostarts gebremst, schränkte der Konzern ein.

Wettbewerbshüter: Bedenken gegen Facebook-Übernahmepläne

Facebook hatte im November angekündigt, das Start-up Kustomer kaufen zu wollen. Die Wettbewerbshüter der EU stehen dem Vorhaben kritisch gegenüber – sie befürchten mehrere Risiken.

Brüssel (dpa) – Die Wettbewerbshüter der EU haben Bedenken gegen den von Facebook geplanten Kauf des Start-ups Kustomer angemeldet.

Konkret wird nach Angaben der EU-Kommission befürchtet, dass die Übernahme den Wettbewerb auf dem Markt für Software für Kundenbeziehungsmanagement (Customer Relationship Management – CRM) einschränken könnte. Zudem sehen die Prüfer das Risiko, dass die Position von Facebook auf dem Markt für Online-Werbeanzeigen noch weiter gestärkt werden könnte, weil dem Unternehmen noch mehr Daten zur Personalisierung seiner Werbeanzeigen zur Verfügung stehen würden.

Den Angaben zufolge werden die Wettbewerbshüter die geplante Übernahme nun einer eingehenden Prüfung auf Grundlage der EU-Fusionskontrollverordnung unterziehen. Sollten sie dabei zum Ergebnis kommen, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb erheblich behindern würden, könnten sie ihn untersagen. Eine Entscheidung soll es bis zum 22. Dezember geben.

“Mit unserer Untersuchung wollen wir sicherstellen, dass das Vorhaben nicht zu Nachteilen für Unternehmen und Verbraucher führt und dass die Daten, zu denen Facebook Zugang erhält, keine Wettbewerbsverzerrungen verursachen”, kommentierte die zuständige Vizepräsidentin der Kommission, Margrethe Vestager. Gerade im digitalen Sektor sei es wichtig, potenziell problematische Übernahmen durch Unternehmen mit einer marktbeherrschenden Stellung genau unter die Lupe zu nehmen.

Das Online-Netzwerk Facebook hatte im vergangenen November angekündigt, sich mit dem Kauf von Kustomer bei Angeboten für den Kundendienst verstärken zu wollen. Details zum Preis oder zu sonstigen finanziellen Konditionen wurden damals nicht genannt. Nach früheren Informationen des “Wall Street Journal” wird Kustomer bei dem Deal mit etwas mehr als einer Milliarde Dollar (842 Mio Euro) bewertet. Die 2015 gegründete Firma stellt Plattformen für Kundenservice und sogenannte Chatbots bereit, die Kundenanfragen automatisiert beantworten sollen.

Kustomer bietet diesen Service bereits über Facebooks eigenen Mitteilungsdienst an und dehnte ihn zuletzt auch auf Facebooks Foto-Tochter Instagram aus. Mehr und mehr versuchen Händler, für den Vertrieb ihrer Produkte auch Online-Plattformen wie Instagram und Facebook zu nutzen, auf denen Empfehlungen von Freunden oder Stars eine Rolle spielen können.

VPN: Was das ist und wer es braucht

Virtuelle, private Netzwerke – kurz VPN – gewährleisten Sicherheit und Anonymität im Netz. Wie sie funktionieren und wofür Menschen sie brauchen.

Ein VPN zu nutzen, ist einer der einfachsten Wege, sich online zu schützen. Journalisten nutzen VPN-Netzwerke etwa zur sicheren Kommunikation und wer nicht möchte, dass Google und Amazon ständig über seinen Aufenthaltsort Bescheid wissen, findet mit VPN-Verbindungen ebenfalls sein Glück. Doch Vorsicht: Die verschlüsselte Kommunikation bietet keinen zusätzlichen Schutz vor Viren und Trojanern.

Was ist VPN?
VPN steht für “Virtual Private Network”, also “virtuelles, privates Netzwerk”. Sogenannte VPN-Dienste ermöglichen es, geschützte Verbindungen im Netz aufzubauen und auch den eigenen Datenverkehr zu verschlüsseln. Anwender können sich das Ganze wie einen Tunnel zu einem Anbieter vorstellen, durch den alle Daten fließen. Das erschwert es Dritten, an diese Daten zu gelangen oder die Spur eines Anwenders im Internet zu verfolgen.

Wer braucht eine VPN-Verbindung?
Wer per VPN-Verbindung im Netz unterwegs ist, verbirgt seinen echten Standort und erhält eine andere IP-Adresse als seine eigentliche. User können per VPN beispielsweise vorgeben, aus einem anderen Land zu stammen. Wenn man eine Internetseite aufrufen möchte, läuft alles über den genutzten Dienst, der die Daten an den Nutzer weiterleitet. Die besuchte Seite sieht dabei nicht die eigene IP-Adresse, sondern die des jeweiligen Servers des Anbieters.

Dazu kommt die Möglichkeit der sicheren Kommunikation: VPN-Verbindungen sind verschlüsselt und können nicht einfach eingesehen werden. Das ist beispielsweise in Ländern nützlich, in denen es nicht gern gesehen ist, sich mit Journalisten zu unterhalten und ihnen Informationen zukommen zu lassen.

Sicherheit bieten VPN-Dienste außerdem Usern, die sich in ein öffentliches WLAN-Netz einwählen möchten. Es gehört nämlich unter anderem zu den Methoden von Kriminellen, sich über derartige WLAN-Netzwerke Daten von Anwendern zu beschaffen, die diese nutzen.

Auch bei Unternehmen kommen VPN-Netzwerke teils zum Einsatz. Sie sollen es beispielsweise Mitarbeitern aus dem Homeoffice oder auf Reisen ermöglichen, auf sensible Daten des Unternehmens zugreifen zu können.

Wie nutze ich VPN?
User wählen sich mithilfe von VPN-Clients, also Software, in ein VPN-Netzwerk ein. Dabei gibt es unterschiedliche technische Möglichkeiten: Entweder lädt man sich einen Client herunter oder man greift auf Browser-basierte Lösungen zurück. Viele Dienste bieten Abo-Modelle, die im Regelfall nur wenige Euro im Monat kosten. Es gibt auch kostenlose Angebote, die allerdings oftmals Einschränkungen aufweisen – darunter etwa ein begrenztes Datenvolumen oder Werbung.

Wahlleiter: Hohe Gefahr von Cyberangriffen zu Bundestagswahl

In den Wochen vor der Bundestagswahl dürften Cyberattacken und Falschinformationen im Netz erneut Hochkonjunktur haben. Die Behörden sind gewappnet.

Berlin (dpa) – Bundeswahlleiter Georg Thiel hält die Gefahr von Cyberangriffen zur Bundestagswahl für “hoch”.

“Unsere Fachleute gehen allein im Bereich IT von etlichen potenziellen Risiken aus. Die Spanne aller theoretisch denkbaren Vorfälle ist entsprechend breit”, sagte er der “Welt am Sonntag”. “Zusammen mit Behörden wie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, dem Verfassungsschutz und dem Bundeskriminalamt haben wir aufwendige Vorkehrungen getroffen.” Die Bundestagswahl ist am 26. September.

Es sei auch denkbar, dass gezielt Falschmeldungen verbreitet würden – etwa, dass die Wahllokale angeblich schon um 15.00 Uhr schließen würden. “Für solche Fälle haben wir mit wichtigen sozialen Medien und den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten genaue Vorkehrungen getroffen und können schnell reagieren, um solche Meldungen richtigzustellen”, sagte Thiel, der auch Chef des Statistischen Bundesamts ist. Die Teams in seiner Behörde und im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) seien im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 personell verstärkt worden.

Kaseya mit Lösung für von Hackern verschlüsselte Computer

Rund drei Wochen nach dem Cyberangriff auf Kunden der IT-Firma Kaseya können die verschlüsselten Computer entsperrt werden. Kaseya hat nun einen Generalschlüssel. Wo er herkommt, bleibt unklar.

Berlin (dpa) – Für immer noch betroffene Opfer der Cyberattacke auf den IT-Dienstleister Kaseya gibt es neue Hoffnung. Kaseya teilte in der Nacht mit, dass die Firma einen Generalschlüssel für die betroffenen Computer bekommen habe.

Eine Hackergruppe hatte über eine Schwachstelle in der Kaseya-Software Rechner bei Dutzenden Kunden der Firma verschlüsselt.

Da viele von ihnen wiederum selbst IT-Dienstleister für andere sind, reichten die Auswirkungen bis nach Schweden, wo die Supermarkt-Kette Coop Hunderte Läden wegen nicht funktionierender Kassensysteme nicht öffnen konnte.

Kaseya machte keine Angaben dazu, wie die Firma zum Generalschlüssel kam. Man habe das Entschlüsselungs-Werkzeug von einer “vertrauenswürdigen Drittpartei” erhalten, teilte das Unternehmen dem Finanzdienst Bloomberg lediglich mit. “Es funktioniert gut.” Das habe auch die IT-Sicherheitsfirma Emsisoft bestätigt, die Kaseya beim Entschlüsseln der Kunden-Computer unterstütze.

Hacker forderten 70 Millionen Dollar

Die Hacker selbst hatten für den Generalschlüssel 70 Millionen Dollar in Form von Digitalwährungen wie Bitcoin gefordert. Vergangene Woche verschwand die Online-Präsenz der Hacker dann plötzlich aus dem Netz. Die Gruppe REvil, die als Drahtzieher der Attacke gilt, wird von Experten in Russland verortet. Kurz bevor REvil offline ging, hatte US-Präsident Joe Biden Moskau aufgefordert, keine kriminellen Hacker zu tolerieren und mit Konsequenzen gedroht.

Betroffene Unternehmen, die entgegen Empfehlungen von Experten und Behörden bereit gewesen wären, den Hackern Lösegeld für die Entschlüsselung ihrer Daten zu zahlen, verloren mit dem Abtauchen der Gruppe die Möglichkeit dazu. Jetzt will Kaseya sie nach und nach kontaktieren, um ihre Computer zu retten.

Wenige Wochen vor der Attacke auf Kaseya legte REvil-Software bereits mehrere Werke des weltgrößten Fleischkonzerns JBS lahm – und die Hacker kassierten vom Unternehmen elf Millionen Dollar Lösegeld in Kryptowährungen.

Darf Facebook wegen Hassrede Nutzerkonten sperren?

Diskriminierende Inhalte und Falschnachrichten bekämpft Facebook mit Löschungen und Sperren. Was erlaubt ist und was nicht, legt das Netzwerk selbst fest. Der BGH steht vor einem Urteil.

Karlsruhe (dpa) – Facebook-Nutzerinnen und -Nutzer müssen sich an die “Gemeinschaftsstandards” halten, sonst droht ihnen die Sperrung – aber darf das Netzwerk einfach selbst festlegen, welche Inhalte erwünscht sind und welche nicht? Für Deutschland entscheidet das bald der Bundesgerichtshof (BGH).

Das Urteil soll in ein bis drei Wochen verkündet werden, wie der Vorsitzende Richter Ulrich Herrmann heute nach der Verhandlung zweier Fälle in Karlsruhe sagte.

Geklagt haben eine Nutzerin und ein Nutzer, die nach abschätzigen Äußerungen über Muslime und Zugewanderte zeitweise gesperrt wurden. Was sie geschrieben hatten, wurde von Facebook gelöscht.

Die Gemeinschaftsstandards sind Regeln, die das Netzwerk weltweit aufgestellt hat, um etwa diskriminierende oder anstößige Inhalte zu verhindern. Niemand soll sich auf der Plattform ausgegrenzt oder bedroht fühlen, so die Philosophie. Nicht alle Äußerungen, die gelöscht und geahndet werden, verstoßen gegen deutsches Recht. Die Frage ist, ob Facebook damit zu weit geht und die grundgesetzlich geschützte Meinungsfreiheit seiner Nutzerinnen und Nutzer verletzt.

Wer sich über Facebook vernetzen will, muss den Nutzungsbedingungen mit den Gemeinschaftsstandards zustimmen. Der entscheidende Punkt sei, ob die Nutzer unangemessen benachteiligt würden, sagte Herrmann.

Die BGH-Richter gehen davon aus, dass sich Facebook als privates Unternehmen ebenfalls auf Grundrechte berufen kann – etwa auf die Berufsfreiheit. Denn wenn der Umgangston auf der Plattform verroht, besteht die Gefahr, dass sich Nutzer und Werbepartner abwenden. Herrmann sagte, der Senat neige daher dazu, Facebook grundsätzlich das Recht zuzugestehen, Beiträge zu löschen. Das würde bedeuten, dass es im Einzelfall immer auf die konkreten Umstände ankommt.

Keine vorherige Anhörung der Betroffenen

Sehr kritisch hinterfragten die obersten Zivilrichter, dass es zwar nachträglich die Möglichkeit zur Beschwerde gibt, aber keine vorherige Anhörung der Betroffenen. Sie warfen die Frage auf, ob das nicht zumindest vor einer drohenden Sperre vorgesehen sein müsste.

“Das ist vollständig unpraktikabel”, sagte der Vertreter von Facebook, BGH-Anwalt Christian Rohnke. Tag für Tag gebe es Hunderte Fälle, und jede neue Beleidigung ermutige Gleichgesinnte. Ein drohender Shitstorm müsse ganz schnell gestoppt werden können.

Der BGH-Anwalt der beiden Kläger, Herbert Geisler, sagte, es müsse die Gelegenheit geben, sich zu verteidigen. Eine Verrohung wolle niemand, aber das obliege nicht Privaten aufgrund ihrer marktbeherrschenden Stellung. “Dafür ist der Gesetzgeber da.”

In Deutschland gibt es seit 2017 das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, um Hasskriminalität und Falschnachrichten wirksamer zu bekämpfen. Es verpflichtet die Betreiber sozialer Netzwerke, gegen strafbare Inhalte vorzugehen. Dazu gehören zum Beispiel Volksverhetzung und üble Nachrede. Maßstab ist also das deutsche Strafgesetzbuch. Vor dem BGH geht es um Facebooks eigene Regeln (Az. III ZR 179/20 u.a.).

Zoom will stärker zur App-Plattform werden

Zoom zählt zu den großen Gewinnern der Corona-Pandemie. Online-Video-Schalten stehen hoch im Kurs, auch Privatleute entdecken die neuen Möglichkeiten. Jetzt will sich der Dienst breiter aufstellen.

San Jose (dpa) – Der Videokonferenzdienst Zoom will durch die vertiefte Integration anderer Apps relevanter für seine Kunden werden.

Zum breiten Start der Plattform Zoom Apps sind 50 Anwendungen dabei. Darunter sind etwa die Bürokommunikations-App Slack und die Online-Speicherdienste Box und Dropbox. Die Liste soll mit der Zeit ausgebaut werden, zunächst kommen nur ausgewählte Partner in das Programm, wie der zuständige Zoom-Manager Ross Mayfield zur Ankündigung am Mittwoch sagte.

Dabei wolle Zoom den Entwicklern verlässliche Rahmenbedingungen bieten, betonte Mayfield. Aktuell wird unter anderem großen Smartphone-Plattformen vorgeworfen, sie hebelten mit neuen Funktionen zum Teil mit Leichtigkeit Geschäftsmodelle von App-Entwicklern aus. Zoom versuche, den App-Anbietern eine klare Vorstellung davon zu geben, in welchen Bereichen man als Plattform-Anbieter selbst aktiv sein wolle, sagte Mayfield. Der Videokonferenzdienst überlässt es den App-Anbietern selbst, Geld für Bezahlfunktionen zu kassieren – und versucht auch nicht, eine Kommission zu nehmen.

Zusammen mit der App-Offensive startet Zoom eine Plattform für Online-Events, auf der auch kostenpflichtige Veranstaltungen organisiert werden können.

Zoom ist einer der großen Gewinner der Corona-Krise. In der Pandemie nahm aber nicht nur die Nutzung in Firmen zu: Auch Privatleute greifen zu Zoom für alle möglichen Gelegenheiten – von Familientreffen bis zu Yoga-Stunden.

Geld verdient Zoom aber nach wie vor im Geschäft mit größeren Unternehmen. Dort fokussiert die Firma aus dem Silicon Valley auch den Ausbau des Geschäfts. So will Zoom die starke Position bei Videokonferenzen nutzen, um Firmen auch mit Telefonie-Diensten zu versorgen. Die Pläne bei Apps und Events sind ein weiterer Baustein.