Klapp-Smartphones: Rette uns Motorola!

Sie sollten den lange erwarteten Innovationsschub in den Smartphone-Markt bringen: Foldables, also faltbare Smartphones. Doch bisher gleichen die Versuche der Branche einem Desaster. Die Rettung könnte jetzt aus einer unerwarteten Richtung kommen. 

Samsung und Huawei vergessen im Rennen um das erste Faltsmartphone die eigenen Qualitätsstandards oder einfach, ein marktreifes Gerät zu bauen. Dazu kommen mannigfaltige Kleinhersteller, die sich mit halbgaren Konzepten oder auch schlechten Produkten in die Öffentlichkeit wagen. LG versucht mit dem G8X ThinQ Dual Screen mal wieder erfolgreich einen Trend anders als alle anderen zu interpretieren und scheitert trotzdem mit seiner Zwei-Display-Lösung ebenfalls. Nun liegen alle Hoffnungen auf Motorola.

Motorola Razr kurz vor der Vorstellung

Wer hätte es gedacht, dass der schon oft totgesagt Traditionshersteller Motorola mein Hoffnungsträger in Sachen Faltsmartphone sein wird. Die displayherstellenden Großkonzerne aus Fernost haben es nicht hinbekommen. Vielleicht schafft es ja der unter chinesischem Dach agierende amerikanische Hersteller als erster ein sinnvoll nutzbares und marktreifes Falt-Smartphone auf den Markt zu bringen. Alle Informationen zum Motorola Razr findet Ihr im Übrigen in einem gesonderten Artikel. Dort zeigt sich auch das Design und damit das Konzept: Motorola macht das Smartphone mit einem klappbaren Display nicht noch größer, sondern das Gegenteil:

Konzept, Umsetzung und Kommunikation: Die Enttäuschungen reißen nicht ab

Nachdem sich Huawei und Samsung in verfrühte Ankündigungen gehetzt haben, wurden unter anderem auf dem MWC 2019 und auf der IFA 2019 Testgeräte präsentiert, die entweder nicht angefasst werden durften oder wenn dann mit einigen Einschränkungen händelbar waren. Die Ankündigungen auch in die Öffentlichkeit hinein waren großspurig, die Umsetzungen jedoch mangelhaft. Um selbst darauf zu kommen, mussten jedoch erst Journalisten und Youtuber am falschen Ende des Samsung Galaxy Fold eine Folie Abziehen. Das Huawei Mate X hat es bis heute nicht in den Markt geschafft. 

Doch was wäre los, wenn die beiden glanzvollen Innovationsmonster Fold und Mate X wo auf den Markt gekommen wären, wie geplant oder zumindest von Fans erhofft? Nun, man hätte vorerst viel Geld ausgegeben. 2.000 Euro und mehr wurden ausgerufen. Hier muss ich eine Lanze für LG brechen. Dort gibt es ein Smartphone mit doppelter Display-Größe für 800 Euro. Dafür leidet die Ausstattung, die eher auf Mittelklasse-Niveau liegt. Doch reden wir nicht vom schnöden Mammon. Es geht ja um neuste Technik. High-End in der jahrelange Entwicklung steckt. Die Kosten müssen verständlicherweise wieder hereinkommen. 

Doch was bekommt man für dieses Geld? Man könnte nun die neuen Technologien und zweifellos beeindruckende technische Daten aufzählen. Ohne Zweifel sind die Smartphones ein Fest für Technikliebhaber. Doch ganz praktisch: Wir bekommen Smartphones, die zu schlechten Tablets werden. Huawei lässt sein Smartphone zu einem Quadrat aufklappen, damit können wir dann ganz innovativ ein 16:9-Video mit schwarzen Balken sehen. Dazu sind die Displays zusammengeklappt beide außen – Das trägt sicherlich nicht zur Stabilität, Robustheit und einer langen Lebenszeit bei. Samsung macht es nicht viel besser. Ein zusammengeklappt schön schlankes Gerät wird zu einem 7,3 Zoll Tabletchen. Zusammengeklappt kann man sich an einem vorsintflutlichen 4,6 Zoll kleinen Display mit Monsterrändern erfreuen, während man es aufgeklappt nicht mehr mit einer Hand steuern kann. Das können aktuelle Smartphones mit knapp 7 Zoll deutlich besser. 

Dazu kommen ganz handfeste Schwächen, die in der technischen Ausstattung verankert sind. Beide Foldables besitzen lediglich 4.500 mAh Akkukapazität. Damit liegen sie unterhalb einiger halb so großer Smartphones. Das LG G8X kommt ebenfalls nicht mit einem entsprechenden Zusatzakku zum Kunden, der die im Test gemessenen 20 Prozent Mehrverbrauch abfängt. Vielleicht sollte man sich hier auch die Frage stellen, wie viel Nutzen ein High-Tech-Smartphone hat, wenn es nicht mit einer Akkuladung über den Tag kommt. 

Motorola könnte es besser machen

Das Problem ist, dass man aus faltbaren Displays mit Sicherheit hervorragende Produkte bauen kann, jedoch sind die bisherigen Ansätze die einfachste Lösung um ein solches Panel zu verbauen. Von den beiden marktbeherrschenden Unternehmen dürfen wir aber mehr erwarten, als was es bisher in diesem Bereich gibt. Und hier kommt Motorola ins Spiel. 

Sollte die Neuauflage des Razr so auf den Markt kommen, wie es die Gerüchte beschreiben, ist es den bisherigen Ideen meilenweit voraus. Motorola verbaut nämlich ein Falt-Display nicht um es selbst willen, sondern hat verstanden, dass man damit ein bestehendes Produkt in eine neue Richtung entwickeln kann. Und die heißt Kompaktheit bei gleichem Nutzwert.

Die weiteren Vorteile der Bauart liegen zum großen Teil auf der Hand. Das Smartphone ist halb so groß wie ein vergleichbares Gerät ohne Klappfunktion, das Haupt-Display ist in der Hosentasche immer geschützt und der Akkuverbrauch nimmt nicht zu, obwohl man einen Mehrwert aus dem Klapp-Display gewonnen hat. Dazu hat Motorola wohl eine Lösung für die Display-Falz entwickelt, die den Klappvorgang geschmeidiger machen soll und so eine längere Haltbarkeit erreicht. 

Wenn es Motorola nun schafft, das erhoffte Konzept technisch solide umzusetzen, die Haltbarkeit der Klappkante zu vergrößern, den Preis im Rahmen zu halten und das Flair des alten Razr in die Neuzeit zu übertragen, könnte aus dem Motorola Razr ein ähnlich ikonisches Smartphone werden, wie es sein Großvater im Handybereich war. 

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