{"id":2582,"date":"2023-01-31T03:44:35","date_gmt":"2023-01-31T02:44:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.batteriewelt.com\/akkublog\/?p=2582"},"modified":"2023-01-31T03:44:35","modified_gmt":"2023-01-31T02:44:35","slug":"ki-hype-um-chatgpt-system-kaum-kritisch-reflektiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.batteriewelt.com\/akkublog\/?p=2582","title":{"rendered":"KI-Hype um ChatGPT: &#8220;System kaum kritisch reflektiert&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Text-Roboter ChatGPT verbl\u00fcfft mit seinen geschliffenen Dialogen und l\u00f6st einen gro\u00dfen Hype um das Thema k\u00fcnstliche Intelligenz aus. Wissenschaftler warnen aber vor Datenschutzl\u00f6chern und mehr.<br>\nEr kann mit einer hohen Sprachpr\u00e4zision Reden ausarbeiten und Geschichten erz\u00e4hlen &#8211; und das auch noch in Sekundenschnelle. Der von der US-Firma OpenAI entwickelte Text-Roboter ChatGPT, eine Sprachsoftware mit k\u00fcnstlicher Intelligenz (KI), ist derzeit in aller Munde. Das mit gewaltigen Datenmengen gef\u00fctterte Programm sorgt f\u00fcr viel Aufsehen, aber auch f\u00fcr Skepsis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wissenschaftler und KI-Experten in Deutschland warnen vor Datenschutz- und Datensicherheitsl\u00fccken, Hassparolen, Falschnachrichten. &#8220;Im Moment ist dieser Hype. Ich habe das Gef\u00fchl, dass man dieses System kaum kritisch reflektiert&#8221;, sagt die Gr\u00fcnderin des Forschungslabors &#8220;Leap in Time Lab&#8221; und BWL-Professorin an der Technischen Universit\u00e4t Darmstadt, Ruth Stock-Homburg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;Man kann diese Systeme manipulieren&#8221;<br>\nChatGPT hat einen sehr breiten Anwendungsbereich. In einer Art Chatfeld kann man dem Programm unter anderem Fragen stellen und bekommt Antworten. Auch Arbeitsanweisungen sind m\u00f6glich &#8211; beispielsweise auf Basis grundlegender Informationen einen Brief oder einen Aufsatz zu schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem Projekt zusammen mit der TU Darmstadt hat das &#8220;Leap in Time Lab&#8221; nun \u00fcber sieben Wochen Tausende von Anfragen ohne pers\u00f6nliche Daten an das System gestellt, um Schwachstellen zu finden. &#8220;Man kann diese Systeme manipulieren&#8221;, sagt Stock-Homburg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer Pr\u00e4sentation zeigt Sven Schultze, TU-Doktorand und Experte f\u00fcr Sprach-KI, die Schwachstellen des Text-Roboters. Neben antisemitischen und rassistischen \u00c4u\u00dferungen sind Quellenangaben schlicht falsch oder laufen ins Leere. Bei einer Frage nach dem Klimawandel f\u00fchrt ein angegebener Link auf eine Internetseite zu Diabeteserkrankungen. &#8220;In der Regel ist es der Fall, dass die Quellen oder auch wissenschaftliche Arbeiten gar nicht existieren&#8221;, sagt Schultze. Die Software basiere auf Daten aus dem Jahr 2021. Bundeskanzler Olaf Scholz ist noch Finanzminister, der Krieg in der Ukraine unbekannt. &#8220;Dann kann es auch sein, dass sie einfach l\u00fcgt oder bei sehr speziellen Themen Informationen erfindet.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quellen sind nicht einfach nachzuvollziehen<br>\nBei direkten Fragen zum Beispiel mit kriminellen Inhalten gebe es zwar Sicherheitshinweise und -mechanismen. &#8220;Man kann aber mit Tricks die KI und die Sicherheitshinweise umgehen&#8221;, sagt Schultze. Mit einem anderen Vorgehen zeigt die Software einem, wie man eine betr\u00fcgerische Mail generiert oder wirft auch gleich drei Varianten aus, wie Trickbetr\u00fcger beim Enkeltrick vorgehen k\u00f6nnen. Auch eine Anleitung f\u00fcr einen Wohnungseinbruch liefert GPT. Falls man auf Bewohner treffe, k\u00f6nne man auch Waffen oder physische Gewalt einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ute Schmid, die den Lehrstuhl f\u00fcr Kognitive Systeme an der Otto-Friedrich-Universit\u00e4t in Bamberg innehat, sieht es aber vor allem als eine Herausforderung an, dass man nicht erfahren kann, wie der Text-Roboter zu seinen Angaben gelangt ist. &#8220;Ein tieferes Problem bei den GPT3-Modell besteht darin, dass es nicht m\u00f6glich ist, nachzuvollziehen, welche Quellen wann und wie in die jeweilige Aussagen eingegangen sind.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schmid spricht sich aber trotz dieses gravierenden Mangels daf\u00fcr aus, nicht nur auf Fehler oder auf einen m\u00f6glichen Missbrauch der neuen Technik zu schauen, wenn beispielsweise Pr\u00fcflinge ihre Hausarbeiten oder Klausuren von der Software schreiben lassen. &#8220;Ich denke eher, wir sollten uns fragen, was f\u00fcr eine Chance haben wir durch solche KI-Systeme?&#8221; Forschende tr\u00e4ten doch im Allgemeinen daf\u00fcr an, dass KI unsere Kompetenzen erweitere, vielleicht sogar noch f\u00f6rdere, aber nicht einschr\u00e4nke. &#8220;Das hei\u00dft, ich muss mich auch im Bildungsbereich fragen &#8211; wie vielleicht vor 30 Jahren zum Thema Taschenrechner &#8211; wie kann ich denn Bildung mit KI-Systemen wie ChatGPT gestalten?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Server in den USA: Frage des Datenschutzes<br>\nTrotzdem bleiben Bedenken zur Datensicherheit und dem Datenschutz. &#8220;Was man sagen kann ist, dass ChatGPT vielf\u00e4ltige Daten vom Nutzer aufnimmt, speichert und verarbeitet, um dann zum gegebenen Zeitpunkt dieses Modell entsprechend zu trainieren&#8221;, sagt der zertifizierte Frankfurter Datenschutzfachmann Christian Holthaus. Es gebe das Problem, dass alle Server in den USA stehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;Das ist die eigentliche Problematik, wenn man es nicht schafft, die Technologie in Europa zu etablieren oder eine eigene zu haben&#8221;, sagt Holthaus. Auf absehbare Zeit werde es keine datenschutzkonforme L\u00f6sung geben. Auch Stock-Homburg sagt \u00fcber EU-Datenschutzregelungen: &#8220;Dieses System ist hier eher kritisch zu bewerten.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ChatGPT wurde von einer der f\u00fchrenden KI-Firmen in den USA, OpenAI, entwickelt. Der Software-Riese Microsoft hatte bereits 2019 eine Milliarde Dollar in das Unternehmen investiert und k\u00fcrzlich angek\u00fcndigt, weitere Milliarden in das Unternehmen zu pumpen. Der Windows-Konzern will ChatGPT bald f\u00fcr Kunden des eigenen Cloud-Services Azure und des Office-Paketes verf\u00fcgbar machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;Noch unausgereiftes System&#8221;<br>\nDerzeit sei ChatGPT eher eine Spielerei f\u00fcr das Private, sagt Stock-Homburg. Aber es sei momentan in keinem Fall etwas f\u00fcr die Wirtschaft und sicherheitsrelevante Bereiche. &#8220;Wir haben keine Vorstellung dar\u00fcber, wie wir mit dem noch unausgereiften System umgehen sollen.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oliver Brock, Professor am Robotics and Biology Laboratory und Sprecher des Clusters &#8220;Science of Intelligence&#8221; von der Technischen Universit\u00e4t Berlin, sieht in ChatGPT keinen &#8220;Durchbruch&#8221; in der Forschung zur k\u00fcnstlichen Intelligenz. Zum einen sei die Entwicklung in diesem Bereich nicht sprunghaft, sondern kontinuierlich. Zum anderen bilde das Projekt nur einen kleinen Teilbereich der KI-Forschung ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ChatGPT k\u00f6nne allerdings in einem anderen Gebiet als Durchbruch gewertet werden, n\u00e4mlich der Schnittstelle zwischen Mensch und Internet. &#8220;Wie hier diese riesigen Datenmengen aus dem Internet mit einem gro\u00dfen Rechenaufwand intuitiv und in nat\u00fcrlicher Sprache einer breiten \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht werden, kann man schon als Durchbruch bezeichnen&#8221;, meint Brock.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Text-Roboter ChatGPT verbl\u00fcfft mit seinen geschliffenen Dialogen und l\u00f6st einen gro\u00dfen Hype um das Thema k\u00fcnstliche Intelligenz aus. Wissenschaftler warnen aber vor Datenschutzl\u00f6chern und mehr. Er kann mit einer hohen Sprachpr\u00e4zision Reden ausarbeiten und Geschichten erz\u00e4hlen &#8211; und das auch noch in Sekundenschnelle. 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