{"id":2271,"date":"2022-07-18T10:06:38","date_gmt":"2022-07-18T09:06:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.batteriewelt.com\/akkublog\/?p=2271"},"modified":"2022-07-18T10:06:38","modified_gmt":"2022-07-18T09:06:38","slug":"nicht-noch-eine-sprachnachricht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.batteriewelt.com\/akkublog\/?p=2271","title":{"rendered":"Nicht noch eine Sprachnachricht!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;H\u00e4tte man das nicht k\u00fcrzer schreiben k\u00f6nnen?&#8221;: Sprachnachrichten sorgen bei manchen Empf\u00e4ngern f\u00fcr Frust. Andere freuen sich \u00fcber die pers\u00f6nliche Botschaft. Warum polarisieren Audionachrichten so?<br>\nDie B\u00e4sse dr\u00f6hnen, die Freundin klingt \u00fcbergl\u00fccklich &#8211; wer eine Sprachnachricht abspielt, ist sofort mitten im Geschehen. Ohne viele Worte h\u00f6ren zu m\u00fcssen, ist klar, die Party ist gut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manche lieben das. Allein beim gr\u00f6\u00dften Messengerdienst Whatsapp werden nach Unternehmensangaben t\u00e4glich sieben Milliarden Sprachnachrichten versendet. Nutzer k\u00f6nnten sich damit &#8220;schneller, einfacher und auch auf einer pers\u00f6nlicheren Ebene miteinander austauschen&#8221;, h\u00e4lt der Konzern fest. Trotzdem gibt es nicht nur Fans.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;Man kann im Alltag beobachten, dass sich viele Menschen sehr dar\u00fcber aufregen, wenn sie Sprachnachrichten bekommen. Bei dem eigenen Kind ist die Toleranzgrenze vielleicht noch h\u00f6her. Aber alles, was \u00fcber den engsten emotionalen famili\u00e4ren Bereich hinausgeht, wird irgendwann f\u00fcr die allermeisten sehr, sehr nervig&#8221;, sagt Digital-Experte Gerald Lembke. Er ist Professor f\u00fcr Medienwirtschaft und Medienmanagement in Mannheim und hat auch Sprachnachrichten und deren Nutzung untersucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;Die Nutzer sagen: Sie verschicken zwar gern Sprachnachrichten, aber sie h\u00f6ren sie nicht gern an. Warum? Etwas aufzuzeichnen, so nebenbei, an der Kasse stehend oder im Auto sitzend, ist sehr einfach, aber eine Sprachnachricht anzuh\u00f6ren erfordert eine Aktion&#8221;, erkl\u00e4rt Lembke. Denn die Kommunikation mit Sprachnachrichten ist asynchron, also zeitversetzt: Einer nimmt sie auf, sendet sie ab, dann werden sie angeh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kommunikation als Einbahnstra\u00dfe<br>\n&#8220;Sprachnachrichten sind eine Einbahnstra\u00dfenkommunikation&#8221;, sagt Lembke. Aus theoretischer Sicht sei das sogar eine Vereinfachung: &#8220;Man ist unabh\u00e4ngig von der Reaktion des Empf\u00e4ngers und das macht Kommunikation grunds\u00e4tzlich zuerst mal einfacher, weil sie nur in eine Richtung ist und nicht auf Interaktion ausgelegt ist.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn jemand vor\u00fcbergehend nicht erreichbar sei und eine Angelegenheit nicht dringend sei, mache diese Art der Kommunikation &#8220;durchaus Sinn&#8221;, so Lembke. Aber: Gehe es etwa um Absprachen mit vielen Leuten, sei das synchrone Telefongespr\u00e4ch effektiver und produktiver.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;Wenn man zum Beispiel ein Datum kommunizieren m\u00f6chte, sollte man das nicht in einer mehrmin\u00fctigen Sprachnachricht einbetten, sondern als Text schicken, weil der Empf\u00e4nger es dann sofort sehen und sp\u00e4ter leicht nachschauen kann&#8221;, sagt auch Dorothea Adler. Sie forscht am Lehrstuhl f\u00fcr Medienpsychologie der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg unter anderem zu Sprachnachrichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kommt ins Plaudern &#8211; und die Nachricht wird immer l\u00e4nger<br>\nSo mancher schweift beim Aufnehmen etwas ab: &#8220;Gesprochene Sprache ist weniger planbar als geschriebene Sprache. Man kann sich zwar vorher \u00fcberlegen, was man erz\u00e4hlen m\u00f6chte, aber vermutlich besteht dennoch zwischen dem Geplanten und Gesagten eine Diskrepanz&#8221;, erkl\u00e4rt Adler.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;W\u00e4hrend man bei Text nochmal durchlesen kann, was man geschrieben hat, und Dinge ab\u00e4ndern kann, damit es besser zur Nachricht des Empf\u00e4ngers passt, kommt man bei der gesprochenen Sprache wahrscheinlich eher ins Plaudern. Dadurch entsteht wohl auch manche L\u00e4nge. Manche Menschen m\u00f6gen es, wenn jemand ins Reden kommt und \u00fcber seine Gedanken und Gef\u00fchle spricht. W\u00e4hrend eine Textnachricht auch pers\u00f6nlich sein kann, ist diese wohl dennoch eher etwas konzentrierter und fokussierter.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manches werde schon durch den Hintergrund vermittelt. &#8220;Ich h\u00f6re zum Beispiel, wenn eine Freundin noch auf der Party ist und Musik l\u00e4uft. Dadurch kann ich viel besser daran teilnehmen und durch die Sprache die authentischen Emotionen wahrnehmen und mich dadurch auch der Person n\u00e4her f\u00fchlen&#8221;, nennt Adler ein Beispiel. &#8220;Nicht nur erz\u00e4hlt sie mehr, sondern sie erz\u00e4hlt vielleicht auch ein bisschen schneller und melodischer, wenn sie fr\u00f6hlich ist. Dadurch kriege ich nat\u00fcrlich nicht nur \u00fcber das gesprochene Wort mit, wie es der Person geht, sondern auch \u00fcber die Stimme und Stimmlage.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;Es geht auch um Feingef\u00fchl&#8221;<br>\nLachen, schneller reden, fl\u00fcstern, eine Denkpause einlegen &#8211; all das k\u00f6nne eine Botschaft vermitteln. Aber: Wichtig ist, dass beide Seiten mit den Sprach- statt Textnachrichten einverstanden sind. &#8220;Es geht auch um Feingef\u00fchl: Wenn ich jemandem eine Sprachnachricht schicke und mein Gegen\u00fcber mir konstant mit Text antwortet, dann w\u00fcrde ich wahrscheinlich irgendwann vermuten, der will das nicht und nachfragen oder keine Sprachrichten mehr verschicken&#8221;, so Adler. Umgekehrt k\u00f6nne man als Empf\u00e4nger auch ansprechen, dass man lieber telefoniere oder Geschriebenes bekomme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Lembke r\u00e4t dazu, eine klare Entscheidung zu treffen &#8211; &#8220;Ja, das will ich, oder nein, das will ich nicht. Wenn ich sage, ich will keine Sprachnachrichten, dann kann ich das mit denjenigen am Telefon er\u00f6rtern, die mir welche schicken. Aber mit dieser Entscheidung tun sich viele schwer.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;H\u00e4tte man das nicht k\u00fcrzer schreiben k\u00f6nnen?&#8221;: Sprachnachrichten sorgen bei manchen Empf\u00e4ngern f\u00fcr Frust. Andere freuen sich \u00fcber die pers\u00f6nliche Botschaft. Warum polarisieren Audionachrichten so? Die B\u00e4sse dr\u00f6hnen, die Freundin klingt \u00fcbergl\u00fccklich &#8211; wer eine Sprachnachricht abspielt, ist sofort mitten im Geschehen. Ohne viele Worte h\u00f6ren zu m\u00fcssen, ist klar, die Party ist gut. 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