{"id":2218,"date":"2022-06-30T07:07:43","date_gmt":"2022-06-30T06:07:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.batteriewelt.com\/akkublog\/?p=2218"},"modified":"2022-06-30T07:07:43","modified_gmt":"2022-06-30T06:07:43","slug":"30-jahre-digitaler-mobilfunk-vom-knochen-zum-smartphone","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.batteriewelt.com\/akkublog\/?p=2218","title":{"rendered":"30 Jahre digitaler Mobilfunk &#8211; Vom &#8220;Knochen&#8221; zum Smartphone"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ersten Mobiltelefone, die vor 30 Jahren eine neue Epoche in der Kommunikation einleiteten, waren noch so schwer wie ein Vollkornbrot. Anfangs wussten die Verbraucher noch nicht viel damit anzufangen.<br>\nDer Start des modernen Mobilfunks vor 30 Jahren im Sommer 1992 war eine schwierige Geburt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der damalige Postminister Christian Schwarz-Schilling (CDU) hatte bereits im Dezember 1989 die ersten Lizenzen f\u00fcr digitale Mobilfunknetze an die Deutsche Telekom (&#8220;D1&#8221;) und den Mannesmann-Konzern (&#8220;D2&#8221;) vergeben. Es dauerte aber etliche Monate, um den Betriebsbeginn der beiden D-Netze technisch vorzubereiten, Funkmasten und Sender aufzubauen. Vor allem fehlte es aber an geeigneten Mobiltelefonen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum 1. Juli 1992 lud die Telekom dann endlich zum offiziellen Start seines D1-Netzes ein. Mannesmann Mobilfunk wollte urspr\u00fcnglich zwei Wochen sp\u00e4ter mit dem Sendebetrieb beginnen. Doch in einen PR-Coup wurde der D2-Start spontan auf den 30. Juni 1992 vorgezogen, um in den Geschichtsb\u00fcchern einen Tag vor dem Wettbewerber Telekom zu stehen. Dabei konnte &#8220;D2-Privat&#8221; seinen Kunden zu diesem Zeitpunkt selbst gar keine Mobiltelefone verkaufen. Der erste D2-Kunde kam aus Bochum und hatte sich zuvor in einem Elektronikgesch\u00e4ft eines der ersten &#8220;Handys&#8221; nach dem GSM-Standard besorgt, ein Ericsson GH-172.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;Knochen&#8221; auf Siegeszug<br>\nAm Markt setzte sich dann aber bald der legend\u00e4re &#8220;Knochen&#8221; durch, das Motorola International 3200. Die heutige Technik-Chefin von Vodafone Deutschland, Tanja Richter, erinnert sich: &#8220;Das klobige Telefon wog mehr als 500 Gramm, hatte eine Akkuleistung f\u00fcr maximal 120 Minuten Gespr\u00e4chszeit und kostete rund 3000 DM. F\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse war das ein kleines Verm\u00f6gen.&#8221; Richter hat ihre Karriere bei Mannesmann Mobilfunk begonnen und kam mit der Firmen\u00fcbernahme im Jahr 2000 zu Vodafone.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die fr\u00fche Begeisterung f\u00fcr den digitalen Mobilfunk konnten anfangs nur wenige Menschen in Deutschland teilen, auch weil die Preise sehr happig waren. Telekom und Mannesmann waren mit Minutenpreisen von knapp unter 2 D-Mark oder heute rund 1 Euro an den Start gegangen. Die Grundgeb\u00fchr lag bei mehr als 70 D-Mark. Heute sind Flatrates \u00fcblich, die nur einen Bruchteil kosten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im April 1993, also ein knappes Jahr nach dem Start, waren aber immerhin schon mehrere hunderttausend Teilnehmer in den beiden D-Netzen unterwegs. Und das Wachstum h\u00e4tte noch viel dynamischer ausfallen k\u00f6nnen, wenn es nur gen\u00fcgend Handys gegeben h\u00e4tte. Der damalige Technik-Chef von Mannesmann CTO, Georg Schmitt, l\u00f6ste die Abk\u00fcrzung f\u00fcr den digitalen Mobilfunkstandard GSM (Global System for Mobile Communications) in den Sto\u00dfseufzer &#8220;God send Mobiles!&#8221; auf. Doch die Mobiltelefone fielen nicht vom Himmel, sondern mussten bei Motorola, Ericsson, Nokia, Siemens und anderen ergattert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geburtsstunde der SMS<br>\nDoch immerhin sanken die Preise. Und ein neuer Dienst machte die Mobiltelefone insbesondere f\u00fcr junge Leute attraktiv. Die Rede ist von SMS (&#8220;Short Message Service&#8221;) mit seinen 160 Zeichen. Die erste SMS mit der Botschaft &#8220;Merry Christmas&#8221; ging am 3. Dezember 1992 an den Vodafone-Mitarbeiter Richard Jarvis. 1994 f\u00fchrten Mannesmann und die Telekom SMS f\u00fcr ihre Kunden ein. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter verschickten die Deutschen bereits rund 3,6 Milliarden SMS. Der Duden gab sich geschlagen und nahm das Wort &#8220;Simsen&#8221; in seinen Wortschatz auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allein im Jahre 1999 verdoppelte sich die Zahl der Mobilfunkkunden in Deutschland auf 48 Millionen. Der Erfolg kostete Mannesmann schlie\u00dflich die Eigenst\u00e4ndigkeit: Der britische Riese Vodafone \u00fcbernahm die D\u00fcsseldorfer im Jahr 2000 nach einem mehrmonatigen Abwehrkampf zum Preis von 190 Milliarden Euro.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitte der 90er Jahre wurden zwei weitere Mobilfunklizenzen in Deutschland vergeben &#8211; es entstanden die E-Netze mit den Anbietern E-Plus und Telef\u00f3nica O2. E-Plus kam 2014 unter das Dach von Telef\u00f3nica, so dass sich aus den Duopol der Anfangsjahre inzwischen ein Kopf-an-Kopf-Rennen von drei Anbietern entwickelt hat. Und mit der Versteigerung der Lizenzen f\u00fcr die f\u00fcnfte Mobilfunk-Generation (5G) betrat 2019 mit 1&amp;1 Drillisch ein neuer Player die B\u00fchne, der aber bislang noch kein eigenes Netz aufgebaut hat. Der Markt insgesamt ist riesig: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Mobilfunkanschl\u00fcsse in Deutschland auf 161 Millionen, so dass rein rechnerisch auf jeden Mensch knapp zwei Anschl\u00fcsse kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durchbruch brachte das iPhone<br>\nAls ein einschneidender Moment in der Geschichte des digitalen Mobilfunks erwies sich die Premiere des iPhones im Jahr 2007. Das erste iPhone funkte zwar nur im vergleichsweise lahmen EDGE-Netz. Das &#8220;Jesus-Phone&#8221; von Apple-Mitbegr\u00fcnder Steve Jobs verhalf aber mit innovativen Funktionen und einer neuartigen Bedienoberfl\u00e4che den Smartphones zum Durchbruch. Das iPhone ver\u00e4nderte auch die Machtverh\u00e4ltnisse &#8211; von den Providern hin zu den Ger\u00e4teherstellern aus den USA und Asien. Mit dem ersten Samsung Galaxy begann 2009 das ewige Duell zwischen dem iPhone und dem Google-Betriebssystem Android, das die Smartphone-Welt bis heute pr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht weniger einschneidend auf das Gesch\u00e4ft der Mobilfunkprovider wirkte sich auch der Erfolg der kostenlosen Messenger wie WhatsApp, Facebook Messenger, Apple iMessage, Signal, Telegram, Line und Threema aus. Sie haben der SMS schon vor Jahren den Rang abgelaufen und ein Milliarden-Gesch\u00e4ft zunichte gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daher m\u00fcssen die Mobilfunkgesellschaften heute nicht nur im Kerngesch\u00e4ft, sondern auch in anderen Bereichen ihren wirtschaftlichen Erfolg suchen. Immerhin sp\u00fclen die Web-Shops und Ladenlokale von Telekom, Vodafone und Telef\u00f3nica, die Mobiltelefone und die damit verbundenen Zusatzleistungen wie Handyversicherungen vertreiben, viel Geld in die Kasse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig nehmen die Provider einen neuen Anlauf, am wirtschaftlichen Erfolg der gro\u00dfen Internet-Konzerne angemessen beteiligt zu werden. In einem gemeinsamen Appell forderten die Deutsche Telekom, Vodafone, Telef\u00f3nica und der franz\u00f6sische Provider Orange Mitte Februar die gro\u00dfen Plattformen auf, die Kosten der europ\u00e4ischen digitalen Infrastruktur teilweise zu \u00fcbernehmen. Der Datenverkehr nehme j\u00e4hrlich um bis zu 50 Prozent zu &#8211; und \u00fcber 70 Prozent des gesamten Datenverkehrs entfielen auf Videostreaming, Spiele und soziale Medien. Diese Plattformen w\u00fcrden von stark skalierenden Gesch\u00e4ftsmodellen zu geringen Kosten profitieren. Doch ob die Provider irgendwann mal Geld von den gro\u00dfen Internetprovidern sehen werden, steht in den Sternen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ersten Mobiltelefone, die vor 30 Jahren eine neue Epoche in der Kommunikation einleiteten, waren noch so schwer wie ein Vollkornbrot. Anfangs wussten die Verbraucher noch nicht viel damit anzufangen. Der Start des modernen Mobilfunks vor 30 Jahren im Sommer 1992 war eine schwierige Geburt. 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