{"id":1744,"date":"2021-09-24T03:41:39","date_gmt":"2021-09-24T02:41:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.batteriewelt.com\/akkublog\/?p=1744"},"modified":"2021-09-24T03:41:39","modified_gmt":"2021-09-24T02:41:39","slug":"ein-zweites-leben-fur-smartphones","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.batteriewelt.com\/akkublog\/?p=1744","title":{"rendered":"Ein zweites Leben f\u00fcr Smartphones"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Neuanschaffung eines Smartphones wandern viele Altger\u00e4te in die Schublade. Da sehen Experten in Deutschland gro\u00dfes Potenzial &#8211; auch im Sinne der Nachhaltigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit geschickten Fingern hat Sebastian Heyn das Smartphone in Einzelteile zerlegt. Erst musste er das Ger\u00e4t in einem Automaten erw\u00e4rmen und so den Kleber l\u00f6sen. Nun liegen die Teile s\u00e4uberlich sortiert vor ihm: Akku, Platine, Koaxialkabel, Frontkamera. &#8220;Bei diesem Ger\u00e4t muss das Display ausgetauscht werden&#8221;, sagt der 35-J\u00e4hrige. Ist es einmal zerlegt, k\u00f6nnten auch andere Bauteile, deren Lebensende naht, gleich gewechselt werden. Werkst\u00e4tten wie in Hartmannsdorf bei Chemnitz reparieren Handys f\u00fcr ihre Besitzer oder Garantief\u00e4lle. Doch auch ausrangierte Altger\u00e4te landen dort und bekommen ein zweites Leben eingehaucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rund 206 Millionen solcher Handys und Smartphones schlummern in den Schubladen von Privatleuten in Deutschland. Das hat eine Befragung im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom ergeben. Im Sinne des Klima- und Umweltschutzes sei anzustreben, die Ger\u00e4te l\u00e4nger zu nutzen, erkl\u00e4rt Bitkom-Experte f\u00fcr Nachhaltigkeit, Niklas Meyer-Breitkreutz. Denn die Herstellung mache den Gro\u00dfteil ihres \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruckes aus. Innovationsspr\u00fcnge bei neueren Modellen seien inzwischen geringer als fr\u00fcher, so dass junge Gebrauchte attraktiver bei einer Neuanschaffung werden, sch\u00e4tzt der Experte. Das &#8220;Refurbishment&#8221;, wie Fachleute die General\u00fcberholung gebrauchter Elektroger\u00e4te nennen, sei ein Wachstumsmarkt mit gro\u00dfem Potenzial.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ersatzger\u00e4t f\u00fcr den Notfall<br>\nGebrauchte Handys wurden bisher h\u00e4ufig privat verkauft. F\u00fcr K\u00e4ufer und Verk\u00e4ufer lauern dabei Gefahren. Private Daten k\u00f6nnten in falsche H\u00e4nde gelangen und eine Garantie gibt es f\u00fcr den K\u00e4ufer nicht. Etliche Verbraucher horten die Ger\u00e4te deswegen lieber in ihrer Schublade, wie eine Befragung ergab. Auch um im Notfall ein Ersatzger\u00e4t zur Hand zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pierre-Pascal Urbon sieht im bisherigen Abwicklungsprozess eine H\u00fcrde. Er ist Vorstandschef der Komsa AG, eines der gr\u00f6\u00dften Familienunternehmen in Ostdeutschland. Mehr als eine Million Ger\u00e4te werden im s\u00e4chsischen Hartmannsdorf pro Jahr repariert oder aufbereitet. Nun will Komsa bei Ankauf, Aufbereitung und Verkauf gebrauchter Smartphones st\u00e4rker mitmischen. Bisher ist das Unternehmen dabei etwa \u00fcber Fachh\u00e4ndler aktiv, nun wird ein digitaler Marktplatz f\u00fcr Endkunden vorbereitet. Urbon will unter anderem k\u00fcnstliche Intelligenz f\u00fcr die optische Bewertung der Ger\u00e4te einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Apple f\u00fchrte 10,4 Millionen Ger\u00e4te dem Refurbishment zu<br>\nDas Potenzial haben auch andere Unternehmen erkannt. Hersteller wie Apple und Samsung bieten beim Kauf neuer Ger\u00e4te an, das alte in Zahlung zu nehmen. Sie werden aufbereitet oder gehen ins Recycling, um Rohstoffe zur\u00fcckzugewinnen. Apple zufolge wurden im vergangenen Jahr weltweit 10,4 Millionen Ger\u00e4te dem Refurbishment zugef\u00fchrt und 39.000 Tonnen Elektroschrott dem Recycling. Das ist aber nur ein Bruchteil der verkauften Neuger\u00e4te, sch\u00e4tzungsweise \u00fcber 200 Millionen St\u00fcck im vergangenen Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daneben verzeichnen Internetplattformen wie Refurbed und Back Market in Deutschland nach eigenen Angaben hohe Wachstumsraten. Auf solchen Marktpl\u00e4tzen k\u00f6nnen Verbraucher ihre Altger\u00e4te zu Geld machen und werden general\u00fcberholte Elektroger\u00e4te angeboten. &#8220;Der Markt w\u00e4chst massiv&#8221;, sagt Refurbed-Mitgr\u00fcnder Kilian Kaminski. Sein Unternehmen habe den Umsatz im vergangenen Jahr mehr als verdreifacht. F\u00fcr den Verbraucher sei der Erl\u00f6s umso h\u00f6her, je neuwertiger ein Ger\u00e4t sei. &#8220;Ich sch\u00e4tze, dass bereits mehrere Millionen refurbishte Ger\u00e4te in Deutschland pro Jahr verkauft werden.&#8221; Smartphones machten dabei den gr\u00f6\u00dften Anteil aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern hinke Deutschland jedoch hinterher. W\u00e4hrend in Frankreich etwa 40 Prozent der Menschen solche Smartphones nutzten, seien es in Deutschland erst rund zehn Prozent, erl\u00e4utert der Deutschlandchef von Back Market, Martin H\u00fcgli, mit Verweis auf interne Daten. &#8220;Da ist noch eine Menge Luft nach oben und wir stehen hier erst am Anfang.&#8221; Das wichtigste Argument f\u00fcr Verbraucher sieht er in einem besseren Preis-Leistungsverh\u00e4ltnis im Vergleich zu Neuger\u00e4ten. Die gr\u00f6\u00dfte Nachfrage gebe es f\u00fcr Smartphones, die vier bis sechs Jahre alt seien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unternehmen entdecken den Gebrauchtmarkt<br>\nDoch auch das Umweltbewusstsein spielt den Experten zufolge zunehmend eine Rolle. &#8220;Nachhaltigkeit nimmt bei Endkunden einen immer gr\u00f6\u00dferen Stellenwert ein&#8221;, sagt Komsa-Chef Urbon und verweist etwa auf die Fridays-for-Future-Bewegung. &#8220;In Zukunft k\u00f6nnte es hipp sein, ein gebrauchtes Ger\u00e4t zu haben statt ein neues.&#8221; Neben Privatleuten sieht er Unternehmen als Zielgruppe, die etwa eine gro\u00dfe Zahl von Besch\u00e4ftigten mit dezentralen Arbeitspl\u00e4tzen ausstatten wie Service-Mitarbeiter oder Paketzusteller.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und nicht nur Unternehmen haben die ausgemusterten Smartphones im Blick. Seit einigen Jahren sammelt etwa das katholische Hilfswerk Missio Handyspenden. Rund 240.000 Ger\u00e4te wurden den Angaben zufolge abgegeben. Der \u00fcberwiegende Teil sei recycelt und so Gold, Silber und Kupfer zur\u00fcckgewonnen worden. Rund 20.000 Ger\u00e4te wurden aufbereitet und weiterverkauft, wie ein Sprecher informiert. Insgesamt wird der Erl\u00f6s auf 127.000 Euro beziffert, der in Hilfsprojekte geflossen sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr einen guten Zweck sammelt auch der Naturschutzbund (Nabu) ausrangierte Handys und Smartphones. Unter dem Motto &#8220;Handys f\u00fcr Hummel, Biene und Co.&#8221; kooperiert der Verein dabei mit dem Telekommunikationsprovider Telef\u00f3nica Deutschland (O2) bereits seit 2011. F\u00fcr die gesammelten Handys spendet Telef\u00f3nica j\u00e4hrlich eine feste Summe, die in den Nabu-Insektenschutzfonds flie\u00dft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Neuanschaffung eines Smartphones wandern viele Altger\u00e4te in die Schublade. 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